Fachgruppe 2

    Kasseler Erklärung

    Kinder-, Jugend- und Behindertenhilfe

    Kasseler Erklärung

    der 10. Konferenz für den Sozial- und Erziehungsdienst am 24. und 25.11.2017 in Kassel

    Am 24. und 25. November 2017 trafen sich über 120 ver.di Funktionär/innen, aus den Arbeitsbereichen der Kinder- und Jugend- und Behindertenhilfe von kommunalen, freien und konfessionellen Trägern.

    Die Aktivitäten der letzten Jahre im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen wurden vorgestellt und aktuelle Herausforderungen in den Arbeitsfeldern diskutiert.

    Die 10. Kasseler Erklärung ist das Ergebnis der Beratungen. Sie fasst die Forderungen zusammen. Die Forderungen werden in den kommenden Wochen durch weitere Materialien konkretisiert.

    Die Aufwertung geht weiter!

    Themen wie Kinderarmut, traumatisierte Kinder und Jugendliche und überforderte Familien sind ein gesellschaftlicher Skandal und stellen uns, die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst, vor immer größere Herausforderungen.

    Weil parallel zu belastenden Lebensumständen die gesellschaftlichen Unterstützungsangebote für unsere Adressat/innen nicht in der gebotenen Qualität und Menge zur Verfügung stehen, werden zunehmend die Grundrechte von Kindern, Jugendlichen und Familien und Menschen mit Behinderungen verletzt.

    Unser rechtlicher und fachlicher Auftrag in der Kinder- und Jugendhilfe sowie in der Behindertenhilfe ist es, die Entwicklung und Förderung, den barrierefreien Zugang zu Bildung, Teilhabe an der Gesellschaft und die gewaltfreie Erziehung unserer Adressat/innen zu unterstützen.

    Seit Jahren prangern wir an, dass dieser Auftrag unter den gegebenen Bedingungen nicht zu erfüllen ist.

    Das muss sich ändern. Darum fordern wir die Bundesregierung auf, bundesweit einheitliche Standards zu schaffen.

    Wir fordern zu Beginn der Legislaturperiode den Neustart einer Reform des Kinder- und Jugendhilferechts. Dieses muss künftig auch eine gesicherte Leistungsfinanzierung sicherstellen.

    Bei der Erarbeitung eines Reformvorhabens muss eine ernst gemeinte Beteiligung der Fachkräfte und der Gewerkschaft ver.di, als unsere Vertretung gewährleistet sein.

    Parallel dazu müssen Maßnahmen ergriffen werden, um dem flächendeckenden Fachkräftemangel begegnen zu können.

    Die fehlenden Fachkräfte können nur durch die Steigerung der Attraktivität der sozialen Berufe gewonnen werden. Hierfür brauchen wir:

    • Gute Arbeitsbedingungen
    • eine angemessene /bessere Bezahlung
    • eine qualifizierte und bezahlte Aus-, Fort- und Weiterbildung
    • Supervision und Coaching
    • Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten
    • Gesundheitsschutz, Sicherheitskonzepte
    • alternsgerechte Arbeitsbedingungen

    Wir fordern:

    • ein Sofortprogramm zur Entlastung der Beschäftigten,
    • eine qualifizierte Ausbildungsoffensive zum Ausbau der Kapazitäten und der Sicherung und Weiterentwicklung der Ausbildung
    • Maßnahmen zur Weiterentwicklung unserer Leistungsqualität

    Auch tarifpolitisch stehen wir vor der Herausforderung, die nächsten Schritte vorzubereiten um die stark frauengeprägten Berufe weiter gesellschaftlich aufzuwerten. Wir machen uns stark für Tarifverträge bei allen freien und kirchlichen Trägern. Unser Ziel ist gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

    In Vorbereitung der 2015 vereinbarten Tarifgespräche 2019 zu den Tarifregelungen für den Sozial- und Erziehungsdienst der Kommunen überprüfen wir unsere Forderungen an die Aufwertung der Sozialen Arbeit. Dabei geht es vor allem um die Anpassung der Eingruppierungsmerkmale an die berufs-fachliche Realität der Sozialen Arbeit.

    In allen Diskussionen um Aufwertung hat die Frage konkreter Arbeitsbedingungen immer eine große Rolle gespielt. Wir im Sozial- und Erziehungsdienst sind nun gefragt, das Thema Arbeitszeitverkürzung zu diskutieren und die Frage zu bearbeiten, inwieweit Entlastung auch Teil von Aufwertung ist.

    Für die Fortsetzung der Kampagne zur Aufwertung der Sozialen Arbeit werden wir uns auf allen Ebenen mit Nachdruck einsetzen.