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    Demografie muss in den Fokus

    Ver- und Entsorgung

    Demografie muss in den Fokus

    Report (01/2017): Magazin des Fachbereich Ver- und Entsorgung
    Report (01/2017) ver.di Report (01/2017)

     
    Rahmenvereinbarungen zur Demografie nehmen in der Ver- und Entsorgung nur langsam Kontur an

    Die Lage ist bekannt: Ob öffentlicher Dienst oder Privatwirtschaft, ob Abfallwirtschaft, Wasser- oder Energiewirtschaft – in den Betrieben steigt das Durchschnittsalter. Gleichzeitig ist absehbar, dass in den kommenden Jahren überproportional viele Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand gehen. Eigentlich ist klar: In den Unternehmen muss gehandelt werden. 

    „Doch Fehlanzeige. Das, was passiert, ist zu wenig, ist ver.di überzeugt. Allzu zäh verlaufen die Tarifverhandlungen zur Demografie. Sicher, in den Betrieben wurde das eine oder andere Projekt ins Leben gerufen. So gibt es in verschiedenen großen Betrieben der öffentlichen Abfallwirtschaft Jahren Betriebs- und Personalvereinbarungen, in denen es um einen verbesserten Arbeits- und Gesundheitsschutz, um Lebensarbeitszeitkonten, aber auch um Altersteilzeitmodelle geht, gepaart mit Übernahmeregelungen für den Nachwuchs, damit das Wissen rechtzeitig an die nächste Generation weitergegeben werden kann.

    „Aber dies sind nachwie vor Leuchttürme“, weiß Sylvi Krisch, beim Bundesfachbereich Ver- und Entsorgung zuständig für die Tarifkoordination private Energiewirtschaft und Abfallwirtschaft. Sie betont: „Es braucht Regelungen für die Branchen.“ Und meint: Rahmenbedingungen, die für alle gelten – also gleiche Wettbewerbsbedingungen für die Unternehmen und Mindeststandards für die Beschäftigten.

    Doch davon kann bisher kaum die Rede sein. Vielmehr arbeitet ver.di daran, diese Rahmenbedingungen erst zu schaffen. Für den Bereich Tarifvertrag Versorgung (TV-V) laufen seit gut einem Jahr entsprechende Tarifverhandlungen. Ein neuer Termin ist für das Frühjahr angesetzt. Für die private Energiewirtschaft, die unter die Tarifgemeinschaft Energie fällt, wurde nach zähem Ringen eine entsprechende Vereinbarung erzielt. Jetzt müssen diese Vereinbarungen in einzelnen Haustarifverträgen mit Leben gefüllt werden. Doch was die private Abfallwirtschaft betrifft: Zwar wäre gerade in diesem Bereich ein Tarifvertrag zur Demografie dringend nötig – weil viele Ältere hier arbeiten, weil körperliche Arbeit zum Alltag gehört – und viele Beschäftigte aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zur regulären Rente in ihrem Job arbeiten können. Aber bisher ist an eine solche Vereinbarung nicht zu denken.

    Warum aber tun sich die Arbeitgeber mit solchen Vereinbarungen offensichtlich so schwer? „Auch die Regelungen zur Demografie kosten Geld“, stellt Krisch nüchtern fest. Jetzt. Zwar sparen Regelungen zum Gesundheitsschutz den Unternehmen langfristig Geld. Es fällt den Verantwortlichen aber oft schwer, diesen langfristigen Nutzen in ihre heutigen Überlegungen miteinzubeziehen. Hinzu kommt: Lösungen für die Herausforderungen sind wichtig, aber nicht akut. „Es kommen immer wieder andere aktuelle Probleme dazwischen, die gelöst werden wollen“, sagt Krisch. Und so wird die Demografie wieder nach hinten geschoben. Leider. Denn: Wenn in wenigen Jahren fast ein Drittel der heutigen Belegschaften in Rente geht, werden aus den latenten Herausforderungen akute Probleme. Nur: Es ist leicht vorauszusagen, dass dann der Arbeitsmarkt die Fachkräfte nicht bereithalten wird, die gebraucht werden. [...]

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    Dieses und weitere Themen im aktuellen Report (01/2017)