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    Studie: Im öffentlichen Dienst fehlen 110.000 Stellen

    Öffentlicher Dienst

    Studie: Im öffentlichen Dienst fehlen 110.000 Stellen

    Im öffentlichen Dienst werden zwar wieder Stellen geschaffen, trotzdem herrscht weiterhin Personalmangel: Um alle anstehenden Aufgaben angemessen erfüllen zu können, müsste der deutsche Staat in den kommenden Jahren mindestens 110.000 neue Fachkräfte einstellen – zusätzlich zu den rund 115.000 Stellen, die jedes Jahr aus Altersgründen neu besetzt werden müssen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung gefördert hat. Nach den Berechnungen des Finanzexperten Dr. Dieter Vesper fehlen dem Staat vor allem in den Bereichen Kinderbetreuung, Finanzverwaltung, Polizei und Bildung Mitarbeiter.

    Restriktiver Kurs mit Folgen

    Die deutsche Haushaltspolitik habe über viele Jahre einen ausgesprochen restriktiven Kurs verfolgt, schreibt Vesper. Beim öffentlichen Dienst wurde in dieser Zeit massiv gekürzt. Auf Bundesebene sei der personelle Aderlass besonders drastisch ausgefallen: Dort gab es 2005 noch insgesamt 531.000 Stellen, 2015 nur noch 468.000 – ein Rückgang um 11,9 Prozent. Auch in den Ländern sei der Umfang der Kürzungen zunächst besonders groß gewesen, so der Autor. Ab 2009 sei die Beschäftigung dann wieder etwas ausgebaut worden.

    Vielfach unsicher

    Am meisten habe sich auf Landesebene bei den Hochschulen getan: Die Zahl der Stellen sei um mehr als ein Fünftel gestiegen. Die Betreuungsrelation habe sich zwischen 2005 und 2014 von 8,3 auf 7,1 Studenten pro Lehrperson verbessert. Die Schattenseite: Die Verbesserung des quantitativen Angebots sei tendenziell mit einer Verschlechterung der Bedingungen für die Lehrkräfte einhergegangen, so der Experte. Vor allem unsichere Beschäftigungsverhältnisse seien neu geschaffen worden. Dafür spricht, dass die Zahl der Lehrbeauftragten zwischen 2005 und 2014 von 57.000 auf 99.000 gestiegen ist, die der wissenschaftlichen Hilfskräfte von 16.500 auf 47.000.

    Im Schulbereich sei die Beschäftigung wesentlich verhaltener, nämlich um 3,5 Prozent zwischen 2005 und 2014 gewachsen. Das Lehrer-Schüler-Verhältnis verringerte sich von 16 auf 13,5, was in erster Linie an der demografischen Entwicklung liege: Die Zahl der Schüler habe um 12 Prozent abgenommen.

    Erzieherinnen fehlen

    In den Kitas seien die Personalschlüssel trotz der Verbesserungen der vergangenen Jahre zum Teil weit von kindgerechten und pädagogisch sinnvollen Relationen entfernt. Wenn man Zahlen der Bertelsmann-Stiftung zugrunde lege, fehlen den öffentlichen Trägern 38.000 Erzieherinnen. Die Zuwanderung dürfte Vesper zufolge zusätzliche Ressourcen in Höhe von langfristig etwa 3.500 Vollzeitkräften erfordern. Insgesamt seien also rund 42.000 zusätzliche Vollzeitstellen nötig.

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