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    Krankenhäuser: Tarifbewegung Entlastung

    ver.di NEWS

    Krankenhäuser: Tarifbewegung Entlastung

    Ausgabe (16/2016)

      
    Titelthema:
    Tarifverträge sollen mehr Personal und Belastungsausgleich regeln

    ver.di NEWS (16/2016) ver.di ver.di NEWS (16/2016)  – Krankenhäuser: Tarifbewegung Entlastung

    162.000 Stellen fehlen deutschen Krankenhäusern, 70.000 allein in der Pflege. Für die Beschäftigten bedeutet das eine enorme Belastung in ihrer täglichen Arbeit. So berichtet Michael Dehmlow, der bei ver.di auf Bundesebene die privaten Klinikkonzerne Sana und Helios betreut, dass zum Teil eine Krankenschwester bzw. ein Krankenpfleger im Nachtdienst für mehr als 40 Patient/innen zuständig ist.

    Kein Wunder, dass Entlastung ein großes Thema für die Beschäftigten ist. Im ver.di-Fachbereich Gesundheit und Soziale Dienste ist eine bundesweite Tarifbewegung für den Tarifvertrag Entlastung angelaufen. Einbezogen werden Krankenhäuser aller Träger, gleich ob öffentlich, freigemeinnützig, konfessionell oder privat. Derzeit wird das Konzept bundesweit diskutiert. Außerdem sucht ver.di in den Krankenhäusern Tarifberater/innen, Beschäftigte, die den Austausch mit ihren Kolleg/innen auf den Stationen und in den anderen Arbeitsbereichen sicherstellen.

    Mehr Personal, Belastungsausgleich und verlässliche Arbeitszeiten sind die Kernforderungen der Tarifbewegung. Zwar hält ver.di weiter daran fest, dass die Politik für genug Personal für eine sichere Versorgung der Patient/innen sorgen muss. Aber gute Arbeitsbedingungen sind üblicherweise Gegenstand von Tarifverträgen.

    Die ersten, die mehr Personal tariflich durchgesetzt haben, sind die Kolleg/innen an der Berliner Uniklinik Charité. Dort sind erstmals für bestimmte Stationen Mindestbesetzungen festgeschrieben worden, wie etwa für die Intensivmedizin oder die Kinderklinik. Ein paritätisch besetzter Ausschuss von Arbeitnehmer/innen und Arbeitgebern wacht über die Einhaltung. Wird die Mindestbesetzung nicht erreicht, können Betten gesperrt werden.

    Jahrelanger Kampf

    "Wir verzeichnen Personalzuwächse", sagt Carsten Becker, Vorsitzender der ver.di-Betriebsgruppe an der Charité. In den kaufmännischen Strukturen des Klinikums müsse jetzt umgedacht werden, weg von Fallpauschalen und der Orientierung an Budgets hin zu einem personalorientierten Verhalten. Allerdings haben die Charité-Kolleg/innen fünf Jahre lange für diesen Tarifvertrag gekämpft. Carsten Becker vergleicht den Weg zu diesem Tarifvertrag mit einem Marathonlauf. Bei Kilometer 30 sei man jetzt angekommen, die eine Hälfte der Strecke sei der Weg bis zur Unterschrift, die andere der zur Umsetzung des Vertrages.

    Bei der Charité mussten die Kolleg/innen für ihren Tarifvertrag übrigens auch streiken. Das ist durchaus legitim. "Unternehmerische Freiheit hört dort auf, wo der Gesundheitsschutz für die Beschäftigten anfängt", beschied eine Kammer des Arbeitsgerichts Berlins dem Arbeitgeber Charité, als er Streiks für die Forderung nach einer Mindestbesetzung verbieten lassen wollte.

    http://tarifvertrag-entlastung.verdi.de

     
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