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    Rentenpolitik jetzt ändern!

    ver.di NEWS

    Rentenpolitik jetzt ändern!

    Ausgabe (12/2017)

      
    Leitartikel:
    Rentenpolitik jetzt ändern
    Gewerkschaften fordern schnellen Kurswechsel

    ver.di NEWS (12/2017) ver.di ver.di NEWS (12/2017)  – Rentenpolitik jetzt ändern!

    Allein in Kassel haben Ende August mehr als 2500 Gewerkschafter/innen gegen Altersarmut und für einen Kurswechsel in der Rentenpolitik demonstriert. Denn wenn jetzt nicht gegengesteuert werde, drohe den Menschen in Deutschland eine massenhafte Altersarmut, sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske bei der Kundgebung. Kurz vor der Bundestagswahl erhöhen der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften noch einmal den Druck auf die Politik, zahlreiche Veranstaltungen sind geplant, am 15. September wird ein bundesweiter Aktionstag stattfinden.

    Damit wollen die Gewerkschaften noch einmal deutlich machen, dass dringend notwendige Änderungen an der Rentenpolitik nicht herausgezögert werden dürfen. Das versuchen zumindest die Unionsparteien, die in ihrem Wahlprogramm davon ausgehen, dass Änderungen am Rentensystem frühestens ab 2030 notwendig seien – und selbst das wollen sie nach der Wahl erst einmal durch eine Kommission prüfen lassen.

    Neue Modellrechnungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung zeigen, dass es zukünftig auch für qualifizierte Beschäftigte mit mittleren Einkommen immer schwieriger wird, eine gesetzliche Rente oberhalb der Grundsicherung oder der Armutsgefährdungsschwelle von aktuell 942 Euro zu erarbeiten. Dabei berücksichtigen die Forscher/innen auch, dass es immer seltener gelingt, auf 45 Beitragsjahre mit Durchschnittsverdienst zu kommen.

    So muss ein Rentner mit 45 Beitragsjahren mindestens 11,42 Euro pro Stunde verdient haben, um das Grundsicherungsniveau zu erreichen. Bei dem für 2045 prognostizierten Rentenniveau von 42 Prozent läge der Stundenlohn bei 13,06 Euro. Geht man von 35 Beitragsjahren aus, liegt die dafür notwendige Entlohnung bei 16,79 Euro pro Stunde.

    „Wir brauchen einen Kurswechsel in der Rentenpolitik, wenn wir nicht in ein absolutes Desaster geraten wollen“, sagte Frank Bsirske daher jüngst in einem Zeitungsinterview. Das gesetzliche Rentenniveau müsse stabilisiert und gestärkt werden. Kleine Renten müssten deutlich aufgewertet, die Erwerbsminderungsrente verbessert werden. Nur gute Arbeit schaffe gute Renten.

    Dafür sei es auch notwendig, den Bundeszuschuss in die Rentenkasse deutlich zu erhöhen und die Beitragssätze bis 2040 auf bis zu 25 Prozent anzuheben. Das komme die Arbeitnehmer nicht teurer als die bisherigen Beitragssätze plus private Vorsorge, etwa über Riester-Verträge. „Nur so erfüllen wir das Versprechen, das die solidarische Sozialversicherung den Menschen macht“, so Bsirske.
     
     
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