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    Eine Frage des Niveaus

    ver.di NEWS

    Eine Frage des Niveaus

    Ausgabe (09/2016)

    Titelthema:
    Arbeitgeber sehen keine Gefahr von Altersarmut durch sinkendes Rentenniveau.

    ver.di NEWS (09/2016) ver.di ver.di NEWS (09/2016)  – Eine Frage des Niveaus

    Mehr als 11 Millionen Menschen sind in den kommenden Jahren von Altersarmut bedroht. Ein Grund ist das Absinken des Rentenniveaus. Politisch gewollt und eingeleitet vor rund 15 Jahren von der damaligen rot-grünen Bundesregierung, soll das Rentenniveau bis 2030 auf 43 Prozent sinken. Heute liegt es real nur noch bei ungefähr 47 Prozent. 1985 waren es hingegen noch 57,4 Prozent.

    Betroffen von Altersarmut werden in wenigen Jahren schon die Bezieher/innen von Einkommen von 2500 Euro im Monat sein. Bei 45 Versicherungsjahren versteht sich, eine Dauer, die angesichts von wachsender Prekarisierung auf dem Arbeitsmarkt und damit einer zunehmenden Zahl an Unterbrechungen in den Erwerbsverläufen immer weniger Menschen erreichen. Hinzu kommt eine wachsende Zahl an Teilzeitbeschäftigten, aber auch an ungewollt Selbstständigen und Geringverdiener/innen.

    Die Gewerkschaften warnen vor den Folgen, davor, dass immer mehr Menschen gerade mal das Grundsicherungsniveau erreichen, obwohl sie ihr Leben lang sozialversicherungspflichtig in Vollzeit gearbeitet haben. Sie machen sich für eine Anhebung und Stabilisierung des Rentenniveaus stark. Im Herbst wollen die Gewerkschaften eine Renten-Kampagne starten, um dem Thema auch im Hinblick auf die Bundestagswahl 2017 die nötige Aufmerksamkeit zu verschaffen.

    Ende vergangenen Jahres waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 1,038 Millionen Menschen auf Grundsicherung angewiesen, davon etwas mehr als die Hälfte im Rentenalter. Das sind so viele wie nie zuvor, allein gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung von 3,5 Prozent. Und die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, geht von einer hohen Zahl von Menschen aus, die aus Scham keine Grundsicherung beantragen.

    Arbeitgeber wollen niedriges Niveau beibehalten

    Für die Arbeitgeberverbände ist Altersarmut hingegen kein Thema. "Altersarmut ist in Deutschland erfreulicherweise selten", heißt es auf der Website der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände im Bereich "Wissenswertes". Selbst bei sinkendem Rentenniveau bestünden gute Chancen "dass Altersarmut (...) auch in Zukunft die Ausnahme bleibt". Als Gründe werden die gestiegene Erwerbstätigkeit und die verlängerte Lebensarbeitszeit genannt. In einem Anfang Juni vorgelegten Rentenpapier sehen die Arbeitgeber keinen Grund, von der Senkung des Rentenniveaus abzuweichen.

    Die selbsternannte Alternative für Deutschland sorgte übrigens Anfang Juni mit ihren Rentenplänen für Aufsehen. In einem Interview sprach sich deren Vorsitzende Frauke Petry für eine "brutale Reform" aus. Und das wäre es wirklich. Petry will die Renten weiter kürzen, das Renteneintrittsalter weiter erhöhen und Kinderlose stärker zur Kasse bitten. [...]
     
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