Friseurhandwerk

    Tarifvertrag: Allgemeinverbindlich – nur nicht überall

    Friseurhandwerk

    Tarifvertrag: Allgemeinverbindlich – nur nicht überall

    Ganz Bremen* und ganz Niedersachsen haben einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag für das Friseurhandwerk, also gleiche Löhne für alle Beschäftigten. Ganz Niedersachsen? Nein!

    Mit einer grotesken Entscheidung haben die Vertreter*innen der Unternehmens- und Handwerksverbände jetzt dafür gesorgt, dass sechs Gemeinden davon ausgenommen sind. Im Altkreis Wesermünde gilt die ansonsten unstrittige Allgemeinverbindlichkeit gegen die Stimmen der Gewerkschaftsbank im dafür zuständigen Tarifausschuss des Landes Niedersachsen nicht.

    „Wir glauben nicht, dass im Tarifausschuss durch die Verbandsvertreter*innen Politik im Sinne ihrer Innungsmitglieder gemacht wird“, sagte die stellvertretende ver.di Landesleiterin Ute Gottschaar.

    Für Wurster Nordseeküste, Loxstedt, Schiffdorf, Beverstedt, Hagen im Bremischen und Geestland ist aus historischen Gründen die Friseur-Innung Bremerhaven-Wesermünde zuständig. Für diese sechs Kommunen und ihre 79 Friseurbetriebe soll nun alles anders sein. „Die von den Unternehmensverbandsvertreter*innen vertretene Meinung ist rechtlich unhaltbar und sozialpolitisch völlig abwegig“, kritisiert die Gewerkschafterin.

    In Niedersachsen gibt es seit Oktober 2018 einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag, in Bremen hat der Tarifausschuss der zuständigen Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt am Montag eine Empfehlung ausgesprochen, die Allgemeinverbindlichkeit auszusprechen. „Es sprechen starke Argumente dafür, dass die Allgemeinverbindlichkeitserklärung geeignet, erforderlich und angemessen ist, um drohende Nachteile für eine erhebliche Zahl von Beschäftigten abzuwenden“, betont Gottschaar.

    Mit den nach 20 Jahren abgeschlossenen Verträgen hatte ver.di wichtige Sicherheiten für die Tarifbeschäftigten erreicht und Lohndumping einen Riegel vorgeschoben. Das helfe gegen Fachkräftemangel in der Branche. „Wir finden das gut, die Politik findet das gut, alle finden das gut, nur diese Verbandsvertreter*innen nicht? Man kann doch niemandem erklären, dass die Beschäftigten in dieser Enklave von den Vorteilen nicht profitieren sollen“, zeigt sich Gottschaar irritiert, „reparieren kann man die Entscheidung jetzt nicht mehr, wir hoffen allerdings auf ein Einsehen bei den nächsten Verhandlungen.“

    * Die Entscheidung der Senatorin Kristina Vogt steht noch aus.