Touristik

    Wir versuchen, Ruhe zu bewahren

    Touristik

    Wir versuchen, Ruhe zu bewahren

    Für das erste halbe Jahr hat das Reisegeschäft komplett brachgelegen. Das bedeutet keine Einkünfte für einen Reiseveranstalter, nur Ausgaben. Der Antrag auf staatliche Unterstützung zeigt, wie ernst die Lage ist. Die Belegschaft der TUI ist in Kurzarbeit mit einem Beschäftigungsgrad von circa 50 Prozent.

    Anfangs geplant bis zum 30. September soll der Zeitraum nun bis 31. Dezember verlängert werden. Durch die Lockerungen konnte das Geschäft im Sommer neu gestartet werden, aber am Ende konnte nur etwa ein Drittel des üblichen Geschäfts realisiert werden. Und dadurch, dass jetzt immer mehr Ziele zu Risikogebieten erklärt werden, flacht das Geschäft wieder stark ab.

    Noch immer sind auch etwa 85 Prozent der Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice. Bislang ist das nahezu ungeregelt. Hinzu kommt, dass die TUI Deutschland sich aktuell ohnehin in einer umfangreichen Neustrukturierung befindet. Bis Ende 2021 sollen rund 450 Arbeitsplätze wegfallen.

    In der Betriebsratsarbeit versuchen wir derzeit, Regelungen für Arbeiten im Homeoffice zu erreichen. Hinzu kommen viele Beratungsgespräche mit unseren Kolleginnen und Kollegen, die zu Recht sehr verunsichert sind.

    Ich persönlich bin in Sorge*, was mit der TUI Deutschland passiert, wenn es kein Wintergeschäft gibt. Wir versuchen, Ruhe zu bewahren, trotzdem ist die Lage sehr angespannt.

    Der Tourismus hat im Prinzip jedes Jahr unter einer neuen Krise zu leiden, die die Beschäftigten mit ihrem Engagement bisher immer bewältigen konnten. Doch niemand hätte sich vorstellen können, je in diese Situation zu kommen. Hier kämpft eine ganze Branche ums Überleben und ist nicht vom Engagement der Beschäftigten abhängig, sondern von einem nicht zu kalkulierenden Virus. Das macht die Beschäftigten ohnmächtig und hilflos.

    Kann der Staat helfen? Ja! Die Unternehmen müssen weiterhin finanziell gestützt werden. Das Kurzarbeitergeld muss verlängert werden inklusive Zuschläge. Und vor allem berufstätige Eltern müssen unterstützt werden.

    Gesamter Artikel in der ver.di publik (Nr. 6/2020), *Autorin, Marion S. arbeitet bei TUI Deutschland und ist derzeit freigestellte Betriebsrätin.