Wach-und Sicherheitsdienste

    Securitas Aviation am Flughafen Hannover

    Wach- und Sicherheitsdienste

    Securitas Aviation am Flughafen Hannover

    Schon im Dezember 2020 berichteten wir über Proteste der Belegschaft von Securitas Aviation am Flughafen Hannover. Die Kolleginnen und Kollegen fordern nach wie vor eine Planbarkeit und Verlässlichkeit von ihrem Arbeitgeber. Dessen Zielsetzung war es aber, eine verbindliche Arbeitszeit nur im Wochen-Rhythmus herauszugeben. Dabei formuliert der Manteltarifvertrag glasklar, dass die Betriebsparteien Einzelheiten in „Jahresschicht-, Masterschicht- sowie Monatsplänen (sic!) regeln“ (§ 13 (7) Manteltarifvertrag für Sicherheitskräfte an Verkehrsflughäfen).

    Für die Kolleginnen und Kollegen bedeutete das nicht nur eine erhebliche schlechtere Planbarkeit, sondern auch den Wegfall der zuvor praktizierten sog. Wunsch-Off-Tage. Die Beschäftigten, die potenziell an sieben Tagen in der Woche inklusive Feiertagen arbeiten, konnten so wenigstens einige wenige Tage zugunsten von Freizeit, Familie und Sonstigem planen. Das soll nach Arbeitgeberwillen nicht mehr möglich sein, weil… Ja, warum eigentlich?! Die Einigungsstelle, eine unter anderem in solchen Fällen gesetzlich vorgesehene Institution, tagte bereits zweimal; eine Fortsetzung folgt voraussichtlich am 16. Februar.

    Ein weiteres Problem bei der Firma wurde uns mehrfach geschildert und Schwarz auf Weiß vorgelegt: Lohnfortzahlung im Krankheitsfall in Verbindung mit Kurzarbeit. Securitas Aviation errechnet die Summe der ausgefallenen Stunden, also der Zeit, zu ein*e Beschäftigte*r eigentlich zur Arbeit eingeteilt wart. Dann splittet der Arbeitgeber diese Summe entsprechend des kollektiven Lohnausfalls (also der reduzierten Arbeitszeit der gesamten Belegschaft für den Monat). Zur Entgeltfortzahlung zieht er also nur einen fiktiven Wert heran, nicht die eigentlich geplante Arbeitszeit. Der Verdacht liegt nahe, dass damit a) die Beschäftigten weniger Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber erhalten als ihnen nach Entgeltfortzahlungsgesetz zustünde und b) die Arbeitslosenversicherung Beträge erstattet, die sie nicht erstatten müsste. Die Bundesagentur für Arbeit schreibt in ihrem Ratgeber für Arbeitgeber übrigens unmissverständlich:
 „Waren für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit auch reguläre Arbeitszeiten geplant (keine Kurzarbeit), haben kranke Beschäftigte für diese Arbeitszeiten weiterhin Anspruch auf die volle Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.“
 Darauf haben wir den Arbeitgeber aufmerksam gemacht und ihm eine Karenzzeit gegeben, seine Praxis zu prüfen und rückwirkend zu ändern. Genutzt hat er unsere Fristsetzung nicht, daher sahen wir uns gezwungen, die Bundesagentur für Arbeit auf das Missverständnis aufmerksam zu machen, die den Arbeitgeber zu einem Gespräch einlud.

    Inzwischen ist klar, dass die Firma etwa am Flughafen Köln/ Bonn genauso verfährt und es gibt ein Rundschreiben der Firma an die Belegschaft, indem die eigene Praxis beleuchtet (um nicht zu sagen „ins rechte Licht gerückt“) wird. Allerdings lässt sich auch in der Beispielrechnung des Arbeitgebers schnell erkennen, dass eine Arbeitsunfähigkeit schnell zu Nachteilen für den oder die Erkrankte führt.

    Die Bundesagentur prüft zurzeit zentral die Argumentation des Arbeitgebers. 
Aus Belegschaftskreisen erntete der Arbeitgeber für seine sehr soziale Selbstdarstellung das ein oder andere Lächeln, auch da man sich noch gut erinnert, wie vehement der Arbeitgeber sich gegen Aufstockungsleistungen zum Kurzarbeitergeld zur Wehr setzte (am Flughafen Köln/ Bonn gar mit rechtswidrigen Kündigungen). Anderen Kolleginnen und Kollegen ist das Lächeln bei Securitas Aviation schon lange vergangen – man kann es nachvollziehen.

    Am Flughafen Stuttgart versucht Securitas Aviation aktuell, den Betriebsratsvorsitzenden fristlos zu kündigen. Hierbei haben Securitas-Verantwortliche den Betriebsrats-Kollegen sogar monatelang von einem Privatdetektiv überwachen lassen! Offenbar soll damit ein aktiver Betriebsrat und Gewerkschaftskollege mürbegemacht werden. Wir verurteilen dieses Vorgehen aufs Schärfste und rufen auch aus Niedersachsen-Bremen zur Solidarität mit dem dortigen BR-Vorsitzenden auf.

    Der Betriebsrat am HAJ hat indes zumindest eine gute Nachricht zu vermelden: So bemerkten einige Beschäftigte eine Fehlberechnung bei den Sonderzuschlägen für Arbeiten am 24. und 31.12., die manteltarifvertraglich geregelt sind. Der Betriebsrat machte darauf aufmerksam und siehe da: der Arbeitgeber erkannte seinen Fehler und gab an, ihn umgehend zu korrigieren. Ob die Firma an dieses Verhalten anknüpfen wird? Wir werden sehen (und weiterhin genau beobachten, werte Securitas Aviation Service GmbH & Co. KG).