Gemeinden

    KITAS BRAUCHEN MEHR

    KITAS BRAUCHEN MEHR

    Für eine echte Reform des Kita-Gesetzes in Niedersachsen

    Deutliche Kritik am Gesetzentwurf

    Das neue NKitaG? zum Heulen! https://youtu.be/DVh4XZeuEZo

    Mehr als zwei Jahrzehnte fordern Beschäftigte, Eltern und Träger eine umfassende Novellierung des niedersächsischen Kita-Gesetztes. Seit November 2020 liegt endlich ein Gesetzesentwurf vor. Doch die Enttäuschung und die Empörung sind riesig. Unisono weisen Wohlfahrtsverbände, Elterninitiativen und ver.di diesen Entwurf zurück. Die lange angekündigten und dringend notwendigen Verbesserungen der Qualitätsstandards, insbesondere beim Personalschlüssel, bleiben aus. Es sind sogar Verschlechterungen geplant. So geht das nicht! ver.di meint: Im Windschatten der Corona-Pandemie ein neues Kita-Gesetz ohne substanzielle Verbesserungen durchzudrücken, ist skandalös.

    Viele Kolleg*innen zeigen eine Rote Karte für das NICHT-GUTE-KITA-GESETZ in Niedersachsen. Sylvia Milsch Wir zeigen Rote Karte für das NICHT-GUTE-KITA-GESETZ in Niedersachsen

    Qualität braucht genug Personal

    Zu Recht steigen die Anforderungen an eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung. Zugleich nehmen die gesellschaftlichen Probleme und damit die Herausforderungen in den Einrichtungen zu. Zentrale Voraussetzung für die Erfüllung der Ansprüche sind fachgerechte Fachkraft-Kind-Schlüssel. Deren Einführung auch für den Kindergartenbereich haben sowohl diese Landesregierung als auch ihre Vorgängerin versprochen. Soll dieses Versprechen an Eltern, Kinder und Beschäftigte nun erneut gebrochen werden?

    Besserer Fachkraft-Kind-Schlüssel nötig

    Die Verfügungszeiten – also Elterngespräche, Vor- und Nachbereitung der pädagogischen Arbeit, Teambesprechungen, Dokumentationen, Zusammenarbeit mit Institutionen etc. – machen laut Bertelsmann-Stiftung bis zu einem Viertel der Arbeitszeiten von Erzieher*innen aus. Hinzu kommen planbare Abwesenheitszeiten durch Urlaub, Krankheit und Fortbildungen. Der Fachkraft-Kind-Schlüssel muss all dies berücksichtigen. Stattdessen will die Landesregierung Qualifikationsstandards absenken. Das ist der falsche Weg.

    „Die Kinder kommen heute mit ganz unterschiedlichen und teilweise sehr schwierigen Voraussetzungen in die Kita. Damit wir uns individuell um sie kümmern können, ist ein vernünftiger Personalschlüssel nötig. Nur so ist es zum Beispiel möglich, Projekte zu machen und auch mal mit einzelnen Kindern zu arbeiten. Bildungsarbeit, Sprachförderung, Dokumentation – es wird immer mehr verlangt. Das geht nur mit genug Personal.“
    Petra Klein ist Sozialassistentin in einer Kita der Arbeiterwohlfahrt.

    „Es braucht mehr Ressourcen für die Leitung. In kleineren Einrichtungen sollten Leitungen mehr Freistellungsstunden haben. Sie sind durch viele Stunden im Gruppendienst doppelt belastet. Die Verwaltungsaufgaben nehmen ständig zu. Dadurch bleibt immer weniger Zeit, die pädagogische Arbeit zu unterstützen und konzeptionell zu arbeiten. Gerade das ist aber wichtig, um die geforderte Qualität zu gewährleisten.“
    Ina Bürgel leitet die DRK-Kindertagesstätte Weiherfeld in Langenhagen.

    „Wir Fachberater*innen begleiten die Leitungen und Fachkräfte der Kitas in ganz unterschiedlichen Fragen – von Erziehungspartnerschaften über die Kommunikation im Team bis hin zu konzeptionellen und pädagogischen Themen. Dieser Blick und die Unterstützung von außen sind für die Qualitätssicherung sehr wichtig. Doch im neuen Kita-Gesetz sind feste Stundenkontingente und Finanzierung dafür nicht vorgesehen. Die Fachberatung braucht einheitliche Standards.“
    Katharina Glaese ist Fachberaterin für Kitas in der Region Göttingen.

    „Gute Ausbildung ist entscheidend, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Mit den Auszubildenden Aufgaben zu besprechen und gemeinsam zu reflektieren braucht Zeit – Zeit, die im neuen Kita-Gesetz nicht vorgesehen ist. Natürlich zwackt man dafür immer ein paar Stunden ab. Aber diese fehlen dann mit den Kindern. Der Personalschlüssel muss auch die vielen anderen Aufgaben berücksichtigen. Sonst gehen sie zulasten der Kinder und der Qualität.“
    Sina Hermann ist Erzieherin in einer Krippe in Hannover.

    Gute Ausbildung für mehr Fachkräfte

    Um den wachsenden Fachkräftebedarf zu decken, muss die Erzieherausbildung auf qualitativ hochwertigem Niveau ausgeweitet werden. Begleitung und Anleitung der Auszubildenden brauchen zeitliche Ressourcen. Pädagogische Fachkräfte in Ausbildung dürfen auch weiterhin nicht auf den Stellenschlüssel angerechnet werden. Assistenzkräfte müssen Anspruch auf eine Weiterqualifizierung zur pädagogischen Fachkraft haben. Externe Fachberatung ist ein Schlüssel für eine einheitlich hohe Qualität frühkindlicher Bildung. Doch all dies ist nicht verbindlich und ausreichend im Gesetzentwurf enthalten.

    „Die erst 2016 neu gefassten Rahmenrichtlinien zur Ausbildung von Erzieher*innen stellen durchgängig den Bildungsgedanken in den Mittelpunkt – weg von der Defizitorientierung, hin zu einer Herangehensweise, die Kinder als Subjekte ihrer Lebensweltgestaltung wahrnimmt. Der Gesetzentwurf fällt dahinter weit zurück. Am Lernort Praxis benötigen Auszubildende eine qualifizierte Begleitung. Hier müssen die dafür nötigen Ressourcen zur Verfügung stehen.“
    Peter Schmidt ist Lehrkraft an der Sozialpädagogikschule Nienburg.

    „Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 hat sich Deutschland zu einem inklusiven Bildungssystem verpflichtet. Doch im neuen Kita-Gesetz kommt Inklusion nicht vor. Auch die seit 30 Jahren bestehenden Integrationsgruppen werden nicht gewürdigt. Es soll weiterhin keinen Rechtsanspruch auf einen integrativen Kita-Platz für Kinder mit Behinderung geben. Diese Diskriminierung darf nicht beibehalten werden.“
    Klaus Kokemoor arbeitet als Inklusionsberater und Autor.

    ver.di fordert einen angemessenen Fachkraft-Kind-Schlüssel:

    • in Krippen 1:3
    • im Kindergarten 1:7,5
    • im Hort 1:7,5
    • mehr Zeit für Leitungsaufgaben und mehr Verfügungszeiten
    • Mindeststandards in der Ganztagsschulbetreuung außerhalb des Unterrichts

    Mehr Zeit und Personal
    Für uns. Und die Kinder.

    Hier findest du die Online-Petition zum Kita-Gesetz:
    https://www.openpetition.de/petition/online/kitas-gegen-das-neue-kita-gesetz-in-niedersachsen

    Mahnwache vor der Staatskanzlei. Man sieht eine Collage von einzelnen Menschen, die ein Schild mit der Aufschrift "Kein Herz für Kitas? #NKitaG Mahnwache" halten. Ver.di Mahnwache vor der Staatskanzlei

    Weitere Infos:
    t1p.de/verdi-s-k-j-hilfe

    mehr-braucht-mehr.verdi.de

    Kontakt zum ver.di-Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen:
    fb03.nds-hb@verdi.de

    Kontakt zum ver.di-Fachbereich Gemeinden:
    fb07.nds-hb@verdi.de

    Illustration: Rote Karte für das neue Kita-Gesetz Andrea Jeschke Beispiel Protestkarte (VL Lehrte)