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    Lisa und Heinz heizen wieder

    ver.di Vertrauensleute

    Lisa und Heinz heizen wieder

    ver.di Vertrauensleute – Aktive im Betrieb ver.di

    “Lisa, ich dreh’ schon mal die Heizung wieder höher!” Heinz wandelt mit wichtiger Miene durch die Räume und befühlt die Heizkörper. Lisa wundert sich, ist es doch gar nicht richtig kalt in der Wohnung: „Hast Du keine anderen Sorgen?“

    “Nee, jetzt nicht mehr. Den Sockelbetrag können wir schon mal einplanen, die Heizkosten sind so gut wie bezahlt.” Heinz schwenkt das bunte Info-Blatt der ver.di. „Hundert Euro für Alle und dann noch mal dreieinhalb Prozent oben drauf!“

    Lisa bleibt skeptisch. Sie hat sich die Presseinformation der Arbeitgeber ausgedruckt und liest laut daraus vor: „Mit einem Sockelbetrag steigen die Gehälter in den unteren und mittleren Entgeltgruppen überproportional stark.“ „Mein lieber Heinz, die drohen auch ganz offen mit Privatisierung, wenn sich unsere Forderungen durchsetzen!“ Aber Heinz lässt sich heute nicht aus der Ruhe bringen: „Jedenfalls haben sie genau erkannt, worum es geht: Wir da unten brauchen mehr Geld. Wenn sie privatisieren und damit die Löhne drücken, haben sie am Ende wieder Schlangen vor’m Jobcenter, weil die dann alle aufstocken müssen!“

    Das mit den Aufstockern kennt Lisa von ihrer Arbeit im Amt. Sie weiß, dass viele nicht mehr von ihrer Arbeit allein leben können. Sie kennt auch die Auswirkungen für den städtischen Haushalt: „Genau, mein Lieber. Damit drücken sie die Personalkosten, aber die Ausgaben für Soziales steigen unaufhörlich. Und wenn die Arbeitgeber rechnen könnten, wüssten sie, dass das am Ende teurer für sie ist, als uns vernünftig zu bezahlen.“

    „Darum ist auch die Forderung nach Abschaffung der Befristungen ohne Sachgrund richtig.“ Heinz unterhält sich oft mit den Kollegen vom Landkreis. Die bekommen tatsächlich alle erst einmal Verträge über zwei Jahre. „Also: alles klar und ich dreh’ jetzt die Heizung Höher!“

    „Nun warte doch mal. Noch haben wir das Geld ja nicht. Auf jeden Fall werden wir dann mal wieder richtig schick Essen gehen und shoppen - damit stützen wir die Wirtschaft vor Ort und das bringt wieder mehr Steuereinnahmen für unsere Stadt. Aber bis dahin bleibt noch einiges zu planen und zu tun: Vor dem heizen heißt es erst einmal denen da oben so richtig einzuheizen!“

    Heinz wurmt es, dass seine Lisa mal wieder so vernünftig tut. Aber Recht hat sie ja, eigentlich. „Also gut, die Heizung bleibt, wie sie ist. Und wenn die Arbeitgeber uns wieder nichts anzubieten haben, müssen wir eben auf die Straße und demonstrieren. Auch wenn’s noch ziemlich frisch ist draußen. Gibt’s eigentlich auch gefütterte Streikwesten?“