Fachgruppe 2

    Das neue SGB VIII: Ein Angriff auf die Profession der Sozialen …

    Veranstaltungsdokumentation v. 22.02.2021

    Das neue SGB VIII: Ein Angriff auf die Profession der Sozialen Arbeit?

    Eine überwältigende Resonanz!

    Unter dem Titel „Das neue SGB VIII: Ein Angriff auf die Profession der Sozialen Arbeit?“ haben am 22. Februar rund 140 Fachkräfte, Studierende und Lehrende aus der Sozialen Arbeit gemeinsam mit ver.di diskutiert.

    Eine Videoaufnahme des kompletten Vortrags inkl. der Folien findet ihr hier:
    https://www.youtube.com/watch?v=-Io3J67I7bU

    Vertreten waren Kolleg*innen aus acht Bundesländern und vielfältigen Bereichen der Sozialen Arbeit u.a. Jugend- und Familienhilfe, Jugendpflege, Jugendamt/ASD, Wohngruppen, Familienzentren, Kitas, Jugendgerichtshilfe, Schulsozialarbeit, Fachberatung, Streetwork, Inobhutnahmestellen, Ambulanten Hilfen, Arbeits- und Erziehungshilfe, Jugendzentren und Tagesgruppen.

    Eingeladen war aus aktuellem Anlass: Derzeit passiert der Gesetzesentwurf zur SGB VIII-Reform den Bundesrat und Bundestag und just am 22. Februar war eine Anhörung zum Gesetz in Berlin. Aus Sicht von ver.di bleibt das Gesetz weit hinter den Erwartungen zurück. Insbesondere die Stärkung des Fachkräftegebots und die Deckung der Personalbedarfe sind völlig unzureichend.

    „Die vielen Verengungen auf die das Gesetz zielt, fühlt sich nicht mehr sehr stark nach professioneller Arbeit an. Einerseits wird gesetzgeberisch nichts Konkretes gegen die Überlastung getan, gleichzeitig wird uns immer genauer vorgegeben was wir wie zu tun haben.“
    Teilnehmer Philipp im Chat

    Der zentrale inhaltliche Vortrag zum Thema wurde von Prof. Dr. Nikolaus Meyer vom Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Fulda und Dr. Elke Alsago als fach- und berufspolitische Referentin beim ver.di Bundesvorstand bestritten, die auch beide bei der Anhörung im Bundestag als Expert*innen gehört wurden.

    „Auch die Absicht, dort wo offene Jugendarbeit gemacht wird, ambulante Hilfen nach SGB VIII zu reduzieren ist einfach ein Armutszeugnis!“
    Teilnehmerin Runa im Chat

    Der Vortrag fasste treffend die Änderungen aus dem Gesetzesentwurf, der bis spätestens Anfang Mai verabschiedet sein soll, zusammen. Demnach erfolgen rechtliche Eingriffe:

    • methodisch bei Beratung und Hilfeplan

    • strukturell bei Selbstvertretung, Stellung von Fachkräften, Ombudsstelle.

    Aus dem Reformentwurf spricht zudem ein grundlegendes Misstrauen gegenüber der Eigenständigkeit des professionellen Handelns in der Sozialen Arbeit. Und auch die Rolle gegenüber den Klient*innen wird instrumentalisiert durch Schein-Partizipation und erweiterte Datenfreigabe.

    Auf sogenannten Ideaboardz (virtuelle Kartenabfrage) haben die Teilnehmenden ihre Befürchtungen geäußert. Besonders präsent war das Thema Vertrauen.

    Bei der Frage: „Welche Auswirkungen haben die aufgezeigten Änderungen für meine Arbeit / meinen Arbeitsplatz?“ antworten die meisten mit der Sorge, dass die Weitergabe von Sozialdaten es schwerer macht, eine Vertrauensbasis aufzubauen. Auch befürchten viele eine weitere personelle Überlastung, weil keine verbindlichen Fallzahlschlüssel / verbindliche Personalbemessungen im Gesetz aufgenommen wurden.

    „Aber gerade die Fallzahlbegrenzungen wären eine echte Reform und Unterstützung für die Fachkräfte in den Jugendämtern!“
    Teilnehmerin Julia im Chat

    Die am meisten geteilte Befürchtung auf die Frage „Welche Auswirkungen haben die aufgezeigten Änderungen für die Adressat*innen / Klienten?“, war der Vertrauensverlust. Auch die Reduzierung von Mitsprachemöglichkeiten und Partizipation wird befürchtet. Ebenso wie eine negative Auswirkung der Offenlegung persönlicher Daten für die Klient*innen und den Datenschutz.

    „Der Datenschutz wird hier massiv angegriffen!“
    Teilnehmerin Nadine im Chat

    An mehreren Stellen wurde in der Veranstaltung die Frage aufgeworfen, warum die Fachlichkeit der Sozialarbeitenden nicht mehr Anerkennung in der Politik findet. Ver.di als größte Fachgewerkschaft für Sozialarbeitende bringt sich aktiv und kritisch in Gesetzgebungsprozesse ein. Es braucht aber mehr Druck von den Sozialarbeitenden selbst vor Ort! Von allen Beschäftigtengruppen im Sozial- und Erziehungsdienst, haben die Sozialarbeitenden den niedrigsten Organisierungsgrad – insbesondere bei Studierenden und Berufseinsteiger*innen!

    Was also tun? Öffentlichkeit, Organisierung und kritische Begleitung der Umsetzung ist wichtig! Daher informiert eure Kolleg*innen vor Ort über die Auswirkungen der Gesetzesreform! Und organisiert euch gemeinsam in ver.di und werdet als Sozialarbeitende gegenüber Politik und Arbeitgebern laut!

    Weiterführende ver.di Informationen:
    SGB VIII Broschüre: https://kurzelinks.de/h6rx
    Stellungnahme zum Gesetzesentwurf: https://kurzelinks.de/jgk4

    ver.diHessen - YouTube