Aufsteh'n für die Kita

    ver.di-KiTa-Rat im Landkreis Nienburg schlägt Alarm für Kindertagesstätten

    Presseinformation

    ver.di-KiTa-Rat im Landkreis Nienburg schlägt Alarm für Kindertagesstätten

    Nienburg: Mehr Zeit für die Kinder und mehr pädagogischer Fachkräfte fordert die Gewerkschaft ver.di für die Kindertagesstätten im Landkreis Nienburg. Der örtliche ver.di-Kita-Rat bestätigte die Ergebnisse der landesweiten Umfrage mit ihren eigenen Erfahrungen. Die Gewerkschaft sieht nach einer eigenen Befragung von Beschäftigten in mehr als 200 Kitas in Niedersachsen, darunter auch zahlreiche Einrichtungen aus dem Landkreis Nienburg, die Einhaltung der gesetzlichen und pädagogischen Anforderungen als stark gefährdet an. Gewerkschaftssekretär Volker Selent: „In der Mehrzahl aller Tage fehlte mindestens eine Fachkraft in der Kita. An einem Drittel aller Tage mussten geplante pädagogische Angebote oder individuelle Förderung der Kinder ausfallen. Das reicht nicht aus, um die Ansprüche an frühkindlicher Förderung zu entsprechen.“

    Weitere Ergebnisse der ver.di-Befragung: In mehr als 20% der Tage konnten die pädagogischen Fachkräfte ihre Vorbereitungszeit nicht oder nicht vollständig nehmen und mussten in fast einem Viertel aller Tage des Beobachtungszeitraumes ungeplante fachfremde Tätigkeiten durchführen. Dass häufig die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen und geplante Freizeit nicht genommen werden konnten und mindestens an einem Viertel aller Tage Kita-Leitungen im Gruppendienst einsprangen und von den pädagogischen Kräften Überstunden geleistet werden musste, verdeutlicht laut ver.di die Belastung der Fachkräfte in den Kitas. Die ver.di-Umfrage hat ferner ergeben, dass das pädagogische Fachpersonal unter anderem bei Ausfall der Küchenkräfte aushelfen und dann in der Gruppenbetreuung fehlen.

    Selent: „Ausreichend Zeit und Personal fehlen an allen Ecken und Enden – auch für kleinere Gruppen. 25 Kinder ganztägig zu betreuen geht zu Lasten der Qualität der pädagogischen Arbeit und auf Kosten der Kinder und der pädagogischen Fachkräfte.“ Dass die Kindertagesstätten trotzdem laufen und nur selten Gruppen geschlossen werden, ist nach Einschätzung der Gewerkschaft dem hohen Engagement der pädagogischen Fachkräfte und Kita-Leitungen zu verdanken, ohne das viele Kindertagesstätten ihr Angebot nicht aufrechterhalten könnten. Da dies aber keine einmalige Situation ist und auf Kosten der Gesundheit geht, muss auch die Konsequenz gezogen werden, dass Betreuungsangebot in Zeiten des fehlenden Personals zu reduzieren, so Volker Selent.

    ver.di sieht die Kommunen und Träger in der Pflicht: „Wir verlangen, dass die Arbeitgeber ihre pädagogischen Fachkräfte schützen und der Fachkräftemangel nicht weiter auf ihren Rücken ausgetragen wird. Die Einhaltung des gesetzlichen Personalschlüssels und die Pausenzeiten müssen gewährleistet sein. Wir erwarten, dass die Kommunen und Träger ihrer Verantwortung nachkommen und für Entlastung sorgen. Wir brauchen mehr Zeit und Personal. Für die Kita-Beschäftigten und die Kinder.“

    Selent weist darauf hin, dass die Mindeststandards aus einer Zeit stammen, wo Dokumentation und Elternberatungen nicht so intensiv und Kinder weniger auffällig waren. Selbst bei einer vorgeschriebenen Mindestbesetzung berichten ihm die Kolleginnen, dass sie den gesetzlichen Bildungsauftrag nicht umfänglich erfüllen können.Eine Leitungskraft erzählt aus Erfahrung: „Die Gruppengröße mit 25 Kindern besteht schon seit 40 Jahren. Aber damals waren in den Gruppen fast ausschließlich 5- bis 6-Jährige. Heute sind immer mehr Dreijährige in den Gruppen, die auch oft noch gewickelt werden müssen.“ ver.di schlägt zur Gewinnung von Personal vor, dass die Gemeinden alle Spielraume des Tarifvertrages nutzen, um besser zu bezahlen und Kräfte zu gewinnen. Auch eine Bezahlung während der Erzieher*innen-Ausbildung kann eine Kommune eigenständig auf die Beine stellen. Ebenso eine bessere Eingruppierung, einen besseren Personalschlüssel und die Entlastung von Zusatztätigkeiten," so Selent.

    Um ihren Forderungen mehr Gewicht zu verleihen, haben sich auch zahlreiche Kita-Beschäftigte in der von ver.di ins Leben gerufenen Bewegung „Aufsteh'n für die Kita!“ angeschlossen, mit der in vielen Orten Niedersachsens Druck auf die Träger gemacht werden soll, um die Rahmenbedingungen in den Kitas zu verbessern. Dazu gehört auch das Tragen des ver.di-Buttons zur Kampagne wie derzeit in der Samtgemeinde Liebenau. Immer dann, wenn Fachpersonal fehlt und eine Einschränkung in der Betreuung gibt, wird er getragen.  Der nächste KitaRat trifft sich wieder am Dienstag, den 24. April in dem Nienburger ver.di-Büro Burgmannshof 5.
    Buttons können aber schon jetzt bei volker.selent@verdi.de bestellt werden.