Solidarität mit den Streikenden

    Offener Brief des Betriebsrates der Verlagsgesellschaft Madsack …

    Offener Brief des Betriebsrates der Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG

    Offener Brief:
    Streik der Beschäftigten des Sozial- und Erziehungsdienstes

     
    Sehr geehrter Herr Jagau,

    Sie haben es mit in der Hand, den Tarifkonflikt zur Aufwertung der Arbeit des Sozial- und Erziehungsdienstes zu beenden. Bitte setzen Sie sich beim kommunalen Arbeitgeberverband schnell und mit Nachdruck dafür ein, dass endlich ein akzeptables Angebot vorgelegt wird, das ermöglicht, die verantwortungsvolle Arbeit der betroffenen Beschäftigten finanziell aufzuwerten.

    Als Betriebsrat vertreten wir die Interessen der Beschäftigten der Verlagsgesellschaft Madsack GmbH&Co.KG in Hannover. Unsere Kolleginnen und Kollegen sind Eltern, Großeltern, Geschwister, Onkel und Tanten. Sehr viele haben aktuell wegen des Tarifkonflikts große Schwierigkeiten, die Betreuung Ihrer Kinder und Enkel zu organisieren.

    Wir alle schätzen die Arbeit, die Erzieherinnen an Kitas und Ganztagsschulen, Sozialpädagogen und Sozialarbeiterinnen im Allgemeinen Sozialdienst, unter anderem mit Verantwortung für das Wohl von Kindern und Jugendlichen, Jugendgerichtshelfer, Lebens- und Konfliktberaterinnen, Heilpädagogen und Fachkräfte zur Arbeits- und Berufsförderung in der Behindertenhilfe sowie Erzieherinnen und weiteren Beschäftigten in Krankenhäusern, (Kinder- und Jugend-) Psychiatrien und Reha-Einrichtungen leisten. Wir stehen solidarisch an der Seite dieser Menschen.

    Deren Arbeit hat sich in den letzten 20 Jahren grundlegend geändert. Bildungsprogramme, neue pädagogische Inhalte, Sprachförderung, Begabungsförderung, Integration, Inklusion, Kinderarmut und vieles mehr sind hinzugekommen.

    Was sich in all den Jahren nicht wirklich geändert hat ist ihre Eingruppierung und Bezahlung, d.h. sie haben ein Vielfaches an Aufgaben hinzubekommen. Bitte helfen Sie mit den deutschen Dauerskandal zu beenden, dass Dienstleistungen, die am bzw. direkt für Menschen erbracht werden, im Schnitt 20 bis 30 Prozent schlechter bezahlt werden, als Arbeiten in der Industrie. Gerade die Arbeit mit unseren Kindern und Jugendlichen ist eine Arbeit für die Zukunft der gesamten Gesellschaft. Deshalb ist die Forderung nach einer Aufwertung ihrer Arbeit mehr als berechtigt, das gilt natürlich für den gesamten Sozial- und Erziehungsdienst.

    Die Madsack-Beschäftigten wissen, dass der Streik der Kolleginnen und Kollegen im Sozial- und Erziehungsdienst auch ihnen dienen wird. Denn es geht zum einen um eine gerechte Entlohnung. Es geht aber auch um die Qualität der Kinderbetreuung. Es ist offenkundig, dass wir in Deutschland - nicht allein in der Region Hannover - einen erheblichen Nachholbedarf bei der ordentlichen Kinderbetreuung haben. Und ebenso offenkundig ist, dass die Bezahlung nicht stimmt. Wer gute Arbeit leistet, der muss auch gut bezahlt werden.

    Freundlich grüßt
    Rainer Butenschön
    (Vorsitzender des Betriebsrats)