dju Niedersachsen-Bremen

    Türkische Journalisten bei der dju in Hannover

    Türkische Journalisten bei der dju in Hannover

    Türkische Journalisten Leinehertz Türkische Journalisten

    EU fördert Ivme-Projekt - Beschleunigung auf dem Weg nach Europa

    Hannover (aro). Es war eine interessante Begegnung für beide Seiten: 30 türkische Journalisten haben das verdi-Haus in Hannover besucht, um sich hier die Arbeit der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) erläutern zu lassen. Die Männer und Frauen aus der Stadt Bolu - sie liegt im Norden der Türkei zwischen Istanbul und Ankara - sind auf dem Weg nach Europa, bildlich gesprochen.  Ivme - übersetzt Beschleunigung - heißt ihr Projekt, mit dem sie sich bei der Europäischen Union um Förderung beworben hatten. "Ivme ist ein Symbol", sagt Nece Alagöz, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in einem Krankenhaus in Bolu. Der Begriff symbolsiere die Bedeutung der Medien bei gesellschaftlichen Prozessen. Ziel des Projekts sei es, die Menschen in der Türkei mit der Europäischen Union (EU) vertraut zu machen sowie den Dialog und das gegenseitige Verständnis zu fördern, wobei Presse und Medien effektiv genutzt werden sollen. Laut Alagöz unterstützte und finanzierte die EU 95 Prozent der Kosten für die achttägige Journalisten-Reise, die zuerst nach Brüssel und dann nach Hannover führte. Die restlichen Kosten übernahm die Stadt Bolu. Der Bürgermeister habe das Projekt der Journalisten von Tages- und Online-Zeitungen, Fernsehen und Pressestellen auch gefördert und ihnen zudem bei der Beschaffung der Visa geholfen.

    Welche Interessen vertritt die dju, auch die von Arbeitgebern? Kernstück der Fragen, die die Besucher an uns richteten. Sie fanden es bemerkenswert, dass die Gewerkschaft nur Arbeitnehmerinteressen vertritt, und sich darüber mit den Arbeitgebern auseinandersetzt. Etwa beim Aushandeln von Tarifverträgen, aber auch im Interesse einzelner Arbeitnehmer.

    Internet und Medienkonzentration: Das gebe es auch in der Türkei, berichteten sie. Auch dort habe das Internet die Arbeitsbedingungen der Journalisten stark verändert. Aber einen Newsroom mit einer Technik, wie sie ihn ibeim Redaktionsnetzwerk im Verlag Madsack angesehen hatten, gebe es in der Türkei bisher nicht.

    Weitere Besuchs-Stationen waren der Journalistik-Studiengang an der Hochschule und Radio Leinehertz. Leinehertz hatte als deutscher Partner für das Europa-Projekt die Informationsbesuche für die türkischen Kollegen in Hannover organisiert. Vor ihrem Besuch in Hannover hatten die Journalisten in Brüssel Parlament und Europa-Parlament kennengelernt.

    Auch wir, Annette Rose, Matthias Büschking und Beate Barrein vom Landes- und Bezirksvorstand der dju, hatten Fragen: Zu den Arbeitsbedingungen der türkischen Kollegen und zum Thema Pressefreiheit. Die Türkei, in der 2014 regierungskritische Journalisten verhaftet oder entlassen wurden, liegt laut der Organisation "Reporter ohne Grenzen" auf Platz 149 von 180 untersuchten Ländern. Deutschland steht auf dem 12. Platz. Wie können Journalisten in der Türkei arbeiten, so unsere Frage. Es gebe keine Schwierigkeiten, wir könnten uns das im Land selbst ansehen, so die Antwort. Man sei hergekommen, um die Arbeit der Journalisten in Deutschland kennenzulernen. Es gehe auch um ökonomische Entwicklung, und um Menschenrechte, drückte es ein Journalist aus.

    "Wir wollen, dass die Türkei ein Mitglied der Europäischen Union wird, aber wir haben gesehen, dass wir noch wirklich Zeit dafür brauchen", meinte Nese Alagöz kurz nach dem Besuch im verdi-Haus. Um dies im Sinne des Projekts voranzubringen, brauche man den Kontakt zu den Medien-Kollegen in Deutschland. "Wir würden uns sehr freuen, wenn die verdi-Leute zum Besuch nach Bolu kommen".