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    Die Streikwelle rollt bundesweit: 1000 Journalisten im Warnstreik

    Die Streikwelle rollt bundesweit: 1000 Journalisten im Warnstreik

    Die vierte Verhandlungsrunde für die rund 13.000 Journalistinnen und Journalisten an Tageszeitungen ist am 9. April 2018 ohne Ergebnis zu Ende gegangen.

    Bereits seit Freitag war in insgesamt acht Bundesländern gestreikt worden. Allein in München haben sich heute 200 Redakteur_innen an einer Streikversammlung in der Innenstadt beteiligt. Mehrere Zeitungen, darunter die Lübecker Nachrichten und die Stuttgarter Zeitung, aber auch die Lokalteile der Süddeutschen Zeitung müssen aufgrund der Warnstreiks in deutlich reduziertem Umfang erscheinen.

    „Mit diesen Verlegern ist heute kein Abschluss zu erreichen, der zu einer echten Reallohnerhöhung führt. Das können wir nicht akzeptieren“, bewertete ver.di-Verhandlungsführer Matthias von Fintel das Angebot des Verbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Zwar hätten die Verleger leicht nachgebessert, böten nun eine Laufzeit von 24 statt wie vorher 30 Monaten und Erhöhungen um 1,3 Prozent jeweils zum 1. Mai 2018 und 2019 statt wie bisher zum 1. August 2018 und 2019. Aufs Jahr gerechnet lägen die Redakteurinnen und Redakteure mit solch einer Einkommenssteigerung allerdings immer noch deutlich unter der allgemeinen Preissteigerung, kritisierte von Fintel: „Das reicht vorne und hinten nicht. Die Verleger müssen verstehen, dass es hier nicht um Almosen oder Kosmetik geht, sondern um eine angemessene Bezahlung des Kernbereichs der Medienhäuser.“

    Daran ändere auch die vom BDZV ins Gespräch gebrachte Einmalzahlung für die Monate Januar bis April 2018 nichts, die zudem noch nicht einmal beziffert worden sei. Von Fintel: „Unsere bundesweit streikenden Kolleginnen und Kollegen haben uns dazu einen ganz klaren Auftrag gegeben: Es geht in diesen Verhandlungen um spürbar mehr Geld und eine überproportionale Erhöhung und um nichts Anderes. Das haben wir in der heutigen Verhandlung auch sehr klar zum Ausdruck gebracht. Wenn die Vertreter des BDZV sich davon nicht überzeugen lassen, werden die Streikenden die passende Antwort finden.“

    Schon jetzt wurden die bereits am Freitag gestarteten Warnstreiks zur vierten Runde erneut ausgeweitet und erreichten damit einen weiteren Höhepunkt. So haben heute bundesweit über 1000 Journalistinnen und Journalisten ihre Arbeit niedergelegt. Im Stuttgarter DGB-Haus haben sich seit 11 Uhr rund 300 Teilnehmer_innen einer landesweiten Streikversammlung eingefunden, um sich nicht nur über den Stand der Tarifverhandlungen auszutauschen, sondern auch zur Situation in den einzelnen Verlagen insgesamt. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der dju in ver.di Peter Freitag zu den Streikenden: „Trotz Auflagen- und Anzeigenrückgang verdienen die Verlage noch immer Geld. Mit unserer Arbeit machen sie Gewinne, die sie im Zuge der digitalen Transformation in neue Geschäftsfelder investieren. Wir tragen jeden Tag dazu bei – dadurch, dass wir trotz Stellenabbau und ständiger Arbeitsverdichtung guten Journalismus machen.“

    Monique Hofmann 

     

    https://dju.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++1d872822-3c1d-11e8-89c6-525400f67940

    https://mmm.verdi.de/tarife-und-honorare/tageszeitungen-die-streikwelle-rollt-49825