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    Presserat veröffentlicht neue Leitsätze

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    1. Juni 2017

    Der Deutsche Presserat hat wie angekündigt Leitsätze veröffentlicht, die die Regeln des Pressekodex zur Kriminalberichterstattung ergänzen. Die neue Richtlinie war mit Blick auf den Diskriminierungsschutz kürzlich präzisiert worden.

    Nachdem das Plenum des Presserats im März zunächst eine Aktualisierung der Richtlinie 12.1 vorgenommen hatte, folgen nun die als Ergänzung angekündigten Leitsätze. „Wir haben Kritik und Anregungen zu diesem Thema aus vielen Redaktionen aufgenommen und umgesetzt. Die Leitsätze sollen Entscheidungshilfen für die Anwendung der Regeln im Redaktionsalltag geben“, sagt Manfred Protze, Sprecher des Deutschen Presserats. „Redaktionen haben stets zu entscheiden, ob die Erwähnung der Herkunft von Straftätern unter Berücksichtigung möglicher diskriminierender Nebenwirkungen durch ein überwiegendes öffentliches Interesse gerechtfertigt ist. Für diese Entscheidung geben die Leitsätze konkrete Anhaltspunkte. Sie stellen auch klar, dass das am Gemeinwohl orientierte Öffentliche Interesse nicht mit Interessen anderer Art zu verwechseln ist. Gruppeninteressen oder reine Neugier sind jedenfalls kein geeigneter presseethischer Maßstab beim Diskriminierungsschutz.“ Die Leitlinien seien nicht in Stein gemeißelt: "Wir werden die darin gegebenen Erläuterungen im Lichte praktischer redaktioneller Erfahrungen gegebenenfalls weiter entwickeln."

    Der Presserat hat in den Leitsätzen Kriterien zusammengestellt, die für oder gegen ein begründetes öffentliches Interesse und damit eine mögliche Nennung der Zugehörigkeit von Tätern und Tatverdächtigen zu einer Minderheit sprechen. Die Leitsätze sollen klarstellen, dass „der Presserat den Diskriminierungsschutz unverändert ernst nimmt“, so der Sprecher. Dies entspreche der grundsätzlichen Werteorientierung der Presse. Die freiwillige Selbstkontrolle stütze sich auch auf Ergebnisse wissenschaftlicher Studien, dass die Angabe der Herkunft von Tatverdächtigen und Tätern in der Kriminalitätsberichterstattung die Einstellung von Lesern gegenüber den genannten Minderheiten insgesamt negativ beeinflussen könne. Ziel des Presserats sei, "das Risiko diskriminierender Nebenwirkungen in der Berichterstattung so weit wie möglich zu begrenzen ohne den Anspruch der Öffentlichkeit auf wahrheitsgemäße und sachgerechte Unterrichtung zu schmälern.“

    https://mmm.verdi.de/beruf/presserat-veroeffentlicht-leitsaetze-fuer-redaktionen-41815

    Die Leitsätze sind auf der Homepage des Presserats abrufbar.

    http://www.presserat.de/fileadmin/user_upload/Aktuelles/DPR_Leitsaetze_RL12.1.pdf