Verlage, Druck u. Papier

    Madsack „vergisst“ die eigenen Leute

    Madsack „vergisst“ die eigenen Leute

    Die eigenen Beschäftigten sollen hinten runter fallen! Ihre Arbeitsplätze werden einfach gestrichen! Sie sollen über den Deister gehen – und um Ersatzarbeitsplätze will sich die Madsack-Geschäftsführung nicht ernsthaft kümmern.

    Das ist das skandalöse Fazit, der am 5. August 2015 gut dreieinhalb Stunden geführten Gespräche zwischen Madsack-GF, Betriebsrat und verdi über die geplante Schließung der Madsack- Druckerei Ende 2016. Erstmals hat an den Gesprächen auch der Vorsitzende der Madsack-GF, Thomas Düffert, teilgenommen. Der hat den Raum nach rund 90 Minuten mit der Tür knallend verlassen, wird aber nach Aussage der GF beim nächsten Gespräch am 13. August Madsack-Geschäftsführer Christoph Rüth, der in Urlaub geht, vertreten.

    Auslöser der zweitweise angespannten Gesprächsatmosphäre und von Düfferts demonstrativer Verärgerung war unsere Weigerung, sich umgehend auf die Eckpunkte der Arbeitgeberseite für einen Sozialplan einzulassen. Unsere Haltung ist, dass wir nur in Kenntnis der geplanten Maßnahmen Sozialtarif- bzw. Sozialplanverhandlungen führen können. Außerdem denken wir, daß es die erste Pflicht der GF ist, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten bzw. Ersatz-Arbeitsplätze zu schaffen und sich Gesprächen darüber nicht zu verweigern!

    Vor diesem Hintergrund waren der Madsack-GF 17 Fragen zum Vertrag zwischen Madsack und der Oppermann-Druckerei in Rodenberg gestellt worden. Die Antworten der GF dazu wurden diskutiert und durch die vertrauliche Einsichtnahme in Vertragsunterlagen verifiziert. Für uns ergibt sich als Fazit der bisher erhaltenen Informationen: Madsack bezahlt faktisch eine neue Druckerei, um dort viele Madsack-Produkte zu drucken; diese Druck-Investition wird von Oppermann über Banken finanziert und von Madsack Jahr für Jahr plus eines Unternehmerlohns bezahlt; das mehrfach bemühte „unternehmerische Risiko“ von Oppermann ist damit sehr überschaubar. Nach den Berechnungen der GF soll die Produktion in Rodenberg dennoch deutlich billiger sein, als wenn Madsack selbst investieren würde. Hier zahlt sich offenbar aus, dass Madsack mit der Verlagerung seiner Druckaufträge nach Rodenberg Tarifflucht begeht. Gespräche darüber, ob und wie diese Kostenlücke zu minimieren oder zu schließen wäre, hat die GF trotz der von ihr betonten „besonderen sozialen Verantwortung“ (Düffert) nie geführt. Sie hat vielmehr Tatsachen geschaffen. Nun wundert sie sich, dass die abservierten Kolleginnen und Kollegen dies nicht einfach schlucken und öffentlich protestieren.

    Die GF hat bei den Verhandlungen mit Oppermann an alles gedacht – die eigenen Leute aber vergessen bzw. einfach fallen gelassen. Nein! Nein! Nein! - das war regelmäßig die Aussage der Madsack-GF, wenn ver.di und Betriebsrat Vorschläge für die Schaffung von Ersatzarbeitsplätzen gemacht haben. Wir haben sie daran erinnert, dass die frühere Madsack- GF unter der Leitung von Dr. Haak die Abwicklung der Setzerei damals deutlich sozialer gestaltet und sich vor allem erfolgreich um Ersatzarbeitsplätze bemüht hat. Warum nicht auch heute? Am Standort gibt es viele Madsack-Firmen. Verdi und Betriebsrat haben die GF aufgefordert, sich dazu schriftlich zu erklären. 

    V.i.S.d.P. Lutz Kokemüller ver.di-Landesbezirk Niedersachsen-Bremen, Fachbereich Medien