Verlage, Druck u. Papier

    Madsack: Protest auf dem Maschseefest

    Madsack: Protest auf dem Maschseefest

    Druckerei-Beschäftigte protestieren vor der Madsack Lounge ver.di Druckerei-Beschäftigte protestieren vor der Madsack Lounge

    Immer wieder halten Menschen am Nordufer des Maschsees ihren Daumen anerkennend nach oben. „Coole Aktion!“, „Bravo!“ „Wehrt euch!“ - mit solchen und anderen Rufen spenden Besucher des Maschseefestes Beifall. Tausende recken die Hälse, schauen verwundert und interessiert auf den See. Dort findet am 11. August am Abend Hannovers erste schwimmende Protestdemonstration statt. In zehn rot-weißen Tret-booten drehen Beschäftigte der von Schließung bedrohten Madsack-Druckerei in Hannover-Kirchrode 90 Minuten lang ihre Runden auf dem Wasser. Regelmäßig erschallt ein scharfes Pfeifkonzert, wenn sie die feine Madsack-Lounge am Nordufer des Sees passieren, wo gerade gediegen getafelt wird. „Wer ernährt unsere Kinder?“, „ Arbeitslosigkeit ist ein Gewaltakt!“, „Keine Schließung!“, „Tarifarbeit erhalten“, – mit solchen Schildern machen die Druckerei-Beschäftigten auf ihre Lage aufmerksam. Und damit jeder Passant weiß, um wen es geht, fahren zwei Boote an der Spitze, die das große Transparent zeigen: „HAZ/NP-Druckerei streitet um ihre Zukunft“. 

    Längst nicht alle der mehr als 50 erschienen Druckerei-Beschäftigten passen in die Boote. Sie stehen am Nordufer, diskutieren mit Passanten oder filmen das Geschehen, das wenig später in Bild und Video auf der Madsack Madsack Facebook-Seite gepostet wird; die wird binnen weniger Stunden von mehr als 3000 Interessierten geklickt. Auf Facebook finden sie auch die ins Bild gesetzte Solidaritätsbekundung der gestrigen Spätschicht. Die Kollegen haben sich während ihrer Pause in der Rotation zum Foto formiert und senden den Tretboot-Demonstranten einen entschlossenen Solidaritätsgruß. „Wir lassen uns nicht abservieren“, lautet das Motto der Demonstranten, die bereits die nächsten Aktionen planen. 

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    Schon am 5. August 2015 haben 50 Kolleginnen und Kollegen aus der Druckerei während des Maschseefestes protestiert. Vor dem Sprengel Museum wurden die Festbesucher über die beabsichtigte Schließung der Druckerei in Hannover informiert. Viele Passanten wussten noch nicht, dass ihre Zeitung bald nicht mehr aus Hannover kommt; sie zeigten sich schockiert über das unsoziale Verhalten der Madsack-Leitung.

    Bemerkenswert ist die Äußerung einer älteren Dame, die früher auch bei Madsack gearbeitet hat. Sie berichtete, früher seien die Kolleginnen und Kollegen stolz gewesen, „Madsäcke“ zu sein. Der Geschäftsführung habe man vertraut. Und heute? Die ältere Dame sagte, es sei ein Skandal, was die Herren Geschäftsführer mit ihrer verdienten Belegschaft machten. So ein unsoziales Verhalten sei früher undenkbar gewesen.

    Die Kolleginnen und Kollegen machten sich dann auf den Weg zur Madsack Lounge. Sie hatten erfahren, dass Madsack Geschäftskunden zu einer pompösen Beachparty geladen hatte. Mit Transparenten und Plakaten machten Sie direkt vor dem Madsack-Zelt auf ihre Situation aufmerksam Mit Tretbooten kurvten sie neben der Madsack Lounge über den See und informierten mit Protestplakaten die Besucher. Geschäftsführer Christoph Rüth stellte sich den protestierenden Madsack-Kolleginnen und –Kollegen. Er betonte, die GF werde den unsozialen Schritt der Druckereischließung gehen. Den Betroffenen würden Abfindungen gezahlt, Arbeitsplätze im großen Rahmen werde es nicht geben. Die Aussage eines betroffenen Druckers, er brauche keine Abfindung, er brauche einen Arbeitsplatz, ließ Rüth unbeantwortet. Viele Kolleginnen und Kollegen zeigten sich schockiert, wie kaltblütig mit Ihnen umgegangen werden soll: Die Damen und Herren lassen es sich auf dem Maschseefest gut gehen - und wir sollen abserviert werden, war zu hören.

     

    V.i.s.d.P Lutz Kokemüller verdi Goseriede 10 Hannover