Aktuelles

    Arbeitszeit rückt in den Blick

    Digitalisierung

    Arbeitszeit rückt in den Blick

    Report (04/2018): Magazin des Fachbereich Ver- und Entsorgung

     
    Die Digitalisierung macht es möglich und die Beschäftigten wollen es: mehr Freizeit

    Die Arbeitszeit wird in künftigen Tarifrunden wieder in den Vordergrund rücken. Dies werde in den Diskussionen in den Betrieben immer deutlicher. Dabei werde es nicht vorrangig um eine generelle Arbeitszeitverkürzung gehen, sondern es müssten bei diesen Diskussionen alle Möglichkeiten einbezogen werden, die Arbeitszeit zu verkürzen und gegebenenfalls auch flexibler zu gestalten.

    „Andreas Scheidt, ver.di-Vorstandsmitglied und Leiter des Bundesfachbereichs Ver- und Entsorgung, geht davon aus, dass die Arbeitszeit in den kommenden Jahren wieder in den Fokus rückt. Er fordert die Kolleginnen und Kollegen auf, schon jetzt in den Betrieben, Einrichtungen und Verwaltungen darüber zu diskutieren,wie die Arbeitszeit künftig gestaltet und geregelt werden kann.

    Auch unter den Beschäftigten im öffentlichen Dienst und in der Ver- und Entsorgung sei eine Entwicklung hin zu Work-Life-Balance zu beobachten. Junge Mütter und junge Väter wollten mehr Zeit mit der Familie verbringen, mehr Zeit haben für ein Hobby oder soziales Engagement. Für sie müssten Möglichkeiten geschaffen werden, Berufskarriere und Leben besser unter einen Hut zu bekommen.

    Dass die Arbeitszeit wieder in den Blick rückt, steht auch in Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Digitalisierung. Mit der Digitalisierung gehe ein Produktivitätsschub einher, dieser Schub könne und müsse für die Reduzierung der Arbeitszeit genutzt werden, argumentieren Arbeitszeitexperten und Gewerkschafter. Die Digitalisierung zu gestalten, bedeute deshalb nicht nur, Betriebs- oder Personalvereinbarungen unter anderem zu Beschäftigtendatenschutz oder zur Qualifizierung und Weiterbildung festzuzurren. Das alles sind wichtige Aspekte, die in den Betrieben dringend geregelt werden müssen. Aber die Gestaltung der Digitalisierung schließt auch eine neue Sicht auf die Arbeitszeit mit ein – schon gar, weil viele Kolleginnen und Kollegen durch die Digitalisierung auch die Möglichkeit haben, flexibler zu arbeiten.

    Hinzu kommt: Immer öfter dringen auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer selbst auf Änderungen bei der Arbeitszeit. Vor diesem Hintergrund schloss die IG Metall einen Tarifvertrag ab, der den Beschäftigten eine Wahlmöglichkeit eröffnete: Wollen sie lieber mehr Geld oder mehr Freizeittage. Zudem sieht die Kollektivregelung eine sogenannte verkürzte Vollzeit vor. Eine erste Auswertung der Anträge zeigt nun das Interesse an der Freizeitoption. Vor allem bei Schichtarbeitern ist die Arbeitszeitverkürzung beliebt. Die Zustimmungsquote liegt hier zwischen 70 und 80 Prozent. Auch rund 50 000 Eltern junger Kinder und Beschäftigte, die zu Hause Angehörige pflegen, wählten die Freizeitoption. Sie verzichten im Gegenzug für mehr Freizeit auf ein höheres Entgelt, das neben den normalen Tariferhöhungen in Form einer Sonderzahlung im kommenden Jahr fällig würde. Bei diesen Gruppen ist allerdings die Gesamtzahl der Anspruchsberechtigten unklar. Insgesamt sind in der Metall- und Elektroindustrie rund 3,9 Millionen Menschen beschäftigt. [...]

    _______________________
    Dieses und weitere Themen im aktuellen Report (04/2018)