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    dju kritisiert Minister-Lob für zentrale Redaktions-Netzwerke

    dju kritisiert Minister-Lob für zentrale Redaktions-Netzwerke

    23.09.2015

    Zentrale Redaktionsnetzwerke sind "eine Chance für Medien und Politik". Der Chor werde zwar nicht vielstimmiger, aber schlagkräftiger. So soll sich Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) während des Zeitungskongresses des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) geäußert haben. Über diese Aussage kann sich die Deutsche Journalisten Union (dju in ver.di) nur wundern: „Uns ist nicht klar, wie man die Abkehr von Qualitätsjournalismus und den massiven Abbau von Personal überall in Deutschland auch noch derart loben kann“, wundert sich Matthias Büschking, Landessprecher für Niedersachsen und Bremen.
    In Perfektion erlebe man das gerade bei der Verlagsgesellschaft Madsack, die das Redaktions-Netzwerk Deutschland (RND) etabliert hat. Was von Verlagen als Antwort auf den Journalismus der Zukunft verkauft werde, sei in Wirklichkeit ein knallhartes Sparprogramm, das ausgerechnet die Deutsche Druck und Verlagsgesellschaft (ddvg) von Anteilseigner SPD widerspruchslos mitgehe.
    Auch Co-Sprecherin Annette Rose, früher Redakteurin bei der Madsack-Zeitung Neue Presse, kritisiert den „Madsack 2018“ genannten Umbau des Konzerns. „Sie reden von mehr Qualität, dabei geht es nur um weniger Kosten.“ Wie rücksichtslos und unsozial Madsack das durchkämpfe, sehe man am Beispiel der Druckerei.

    Am Standort Hannover verlieren 160 Mitarbeiter im Handstreich ihren Job, weil der Zeitungsdruck von den eigenen Maschinen auf die grüne Wiese und eine befreundete Fremd-Druckerei verlagert werden soll. Vorher war schon das Kunden-Service-Center (KSC) in eine Fremd-Firma verlagert worden. „Natürlich ist die dju solidarisch mit den Druckern“, betont Annette Rose. Der Druckerei-Deal, das KSC und das RND seien nichts anderes als Tarifflucht, kritisiert sie.
    Die Abkehr von der Vollredaktion sei kein Schritt nach vorne, sondern ein Schritt zurück, hebt Büschking hervor. Jeder Zeitungsstandort habe seine speziellen journalistischen Anforderungen, die nur über Vollredaktionen wirklich professionell umgesetzt werden könnten. Aus Zentralredaktionen könne man gar nicht ganz Deutschland im Blick haben, ohne an der Quali-tätsschraube zu drehen.
    Die dju empfindet die Aussage des Bundesjustizministers daher als Schlag ins Gesicht zahlloser Kollegen in ganz Deutschland, die beim Menschenschach in Redaktionsnetzwerken gelandet seien, wo sie oft bei deutlich schlechteren Konditionen deutlich mehr arbeiten müssten. „Wo das eine Chance sein soll, muss Maas uns erklären“, so Büschking. Politik habe die Pflicht, mit dagegen zu kämpfen, Journalismus durch die Hintertür gleichzuschalten.