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    Sozialversicherungen

    ver.di kritisiert Weil-Hinweise auf fehlende Freundlichkeit in Behörden

    24.09.2018

    „Für die Situation ist die Politik verantwortlich!“

    „Dieser öffentliche Angriff auf die Beschäftigten schießt weit über das Ziel hinaus und verkennt, dass für die Situation in den Job-Center und Arbeitsagenturen nicht die Beschäftigten, sondern die Politik verantwortlich ist.“ So deutlich reagiert die für Sozialversicherung zuständige ver.di-Fachbereichsleiterin Andrea Wemheuer auf Hinweise des Ministerpräsidenten Stephan Weil, die Probleme in den Job-Centern und Arbeitsagenturen durch mehr Freundlichkeit der Beschäftigten lösen zu können. Diese gegen die Kunden auszuspielen, verbessere die Lage keineswegs, sondern sorge vielmehr nur für noch mehr Unmut und Konflikte im Behördenalltag.

    „Uns sind die Beweggründe für Weils Aussage nicht bekannt. Dies erscheint uns allemal befremdlich und wird keineswegs als Ansporn für die Beschäftigten verstanden“, sagt Volker Zimmermann, Personalrat und ver.di-Vertrauensmann im Job-Center Region Hannover, einem der größten Job-Center bundesweit. „Allein hier finden täglich mehr als 1000 Kundenkotakte statt. Diese sind mehrheitlich von dem Ansinnen getragen, für die Kunden kompetente und freundliche AnsprechpartnerInnen zu sein, auch wenn dies unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht immer leicht ist.“, so Zimmermann.

    Auch der Personalratsvorsitzende und ver.di-Vertrauensmann der Agentur für Arbeit, Andreas Kasten ist entrüstet: „Die Beschäftigten der Arbeitsagentur Hannover sind mehr als entsetzt und verärgert über die diskreditierenden Aussagen des Ministerpräsidenten Weil. Wir sind bemüht, die Kunden in allen arbeitsmarktlichen Dingen und teilweise in ihren sozialen Notlagen optimal zu beraten und zu unterstützten. Kundenfreundlichkeit ist uns dabei ein hohes Gut. Unsere Freundlichkeit und Kundenorientierung werden durch unabhängige Befragungen stets mehr als positiv bewertet.“ Und fordert: „Für Kritik sind wir offen, aber sachbezogen und nicht als Pauschalverurteilung. Über eine öffentliche Richtigstellung und Entschuldigung würden wir uns freuen.“

    Andrea Wemheuer weiter: „Dass Herr Weil meint, die desaströsen Konsequenzen aus dem Hartz-IV-System und einer verfehlten Arbeitsmarktpolitik durch mehr Freundlichkeit der Mitarbeiter_innen zu lösen, ist gegenüber den Beschäftigten, die tagtäglich in erster Reihe dafür sorgen müssen, unzählige Problemlagen zu lösen, untragbar.“ Der Ministerpräsident solle lieber seine politischen Möglichkeiten nutzen, die Rahmenbedingungen zu verbessern statt eine überflüssige Generalschelte zu verteilen.

    Wirkliche Verbesserungen in den Jobcentern und Arbeitsagenturen wäre erreichbar durch verständlich gestaltete Antragsformulare, Rechtsvereinfachungen, ausreichender Personalausstattung, aufgabengerechter Mittelausstattung sowie Wertschätzung durch die Führung anstatt öffentliche Schelte aus der Politik.

    ver.di stehe für einen zugewandten und freundlichen öffentlichen Dienst, so Andrea Wemheuer. „Damit dieser funktionieren kann, muss die Politik ihren Teil dazu beitragen.“