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    Tele Columbus: 170 Arbeitsplätze in Hannover in Gefahr

    Tele Columbus: 170 Arbeitsplätze in Hannover in Gefahr

    03.05.2016
    Tele Columbus: Mitarbeiter fordern den Teilerhalt des Standorts Hannover ver.di Tele Columbus: Mitarbeiter fordern den Teilerhalt des Standorts Hannover

    Auswirkungen für Endkunden befürchtet – Kundgebung am 29. April 

    Die Tele Columbus AG, drittgrößter Kabelnetzbetreiber in Deutschland, hat im Jahr 2015 für insgesamt ca. 1,3 Milliarden Euro die beiden nächstgrößten Wettbewerber primacom und pepcom übernommen. Im Rahmen der Zusammenführung der Unternehmen hat der Vorstand die etappenweise Schließung des seit 27 Jahren bestehenden Standortes in Hannover im Stadtteil Döhren mit 170 Mitarbeitern bis spätestens Ende 2017 angekündigt. Die hier angesiedelten Bereiche umfassen den Kundenservice, die IT sowie große Teile der Abteilungen Finanzen, Controlling und Personal. 

    Rund 70 der ursprünglich in Hannover angesiedelten Funktionen sollen erhalten und an neue Standorte in Berlin und Leipzig verlagert werden. Ein solcher Wohn- und Arbeitsortwechsel würde ganz erhebliche soziale, familiäre und finanzielle Beeinträchtigungen nach sich ziehen. Zudem sind Mitarbeiter aufgrund familiärer Verpflichtungen oder Wohneigentum nicht ohne weiteres in der Lage, einfach nach Berlin oder Leipzig zu ziehen.  

    „Nicht die oft wechselnden Geschäftsführungen, Eigentümer und Gläubiger haben über Jahrzehnte den Erfolg des Unternehmens ausgemacht und den Weg für dessen Börsengang bereitet, sondern vor allem die aus zumeist langjährig beschäftigten Mitarbeitern bestehende Arbeitnehmerschaft“, sagte ver.di-Fachsekretär Jürgen Gorgs.  

    Die Arbeitnehmer fordern den Teilerhalt des Standorts Hannover. Bei zwingend notwendigen,  betriebsbedingten Kündigungen sollen Mitarbeiter mit einer angemessenen Abfindung statt mit einem zusätzlichen Schlag ins Gesicht verabschiedet werden. Daher warte die Belegschaft gespannt auf das bei der letzten Betriebsversammlung am 19. April vom Vorstand angekündigte „faire" Angebot in der Sozialplanverhandlung am morgigen Freitag (29. April). 

    Um ihre Forderungen zu bekräftigen, versammeln sich die Beschäftigten auf einer Kundgebung unter dem Motto „Tele Columbus 5 vor 12“ vor dem Tele Columbus Firmengelände, auf der symbolisch ihre Arbeitsplätze zu Grabe getragen werden:  

    Freitag, 29. April 2016, von 11.45 bis 12.15 Uhr
    Peiner Str. 8, 30519 Hannover  

    Ansprechpartner:   

    Jürgen Gorgs, ver.di-Fachbereich Telekommunikation, Informationstechnologie u. Datenverarbeitung
    Mobil 0160/97240558
    Juergen.Gorgs@verdi.de 

    HINTERGRUND:

    Das Unternehmen war in den letzten Jahren stark auf den Vertrieb neuer Produkte und den Abschluss neuer Verträge mit Endkunden und der Wohnungswirtschaft fokussiert. Themen wie Service und Qualität gerieten in den Hintergrund. Der Vorstand untermauert diese Ausrichtung durch seine aktuelle Planung der Standortschließung, da unter anderem genau diese Bereiche mit erfahrenen Mitarbeitern aus dem Unternehmen ausgegliedert und in externe Hände gelegt werden sollen. Weiteres Outsourcing führt zu schlechterem Kundenservice, da altbekanntes Know how neu erarbeitet werden muss bzw. nicht ersetzt werden kann. Die Standortschließung hätte  damit auch direkten Einfluss auf die Endkunden.  

    Ein unter Federführung von Dr. Stephan Krüger, betriebswirtschaftlicher Berater der Arbeitnehmerseite,  erarbeitetes alternatives Konzept der Betriebsräte belegt, dass die komplette Schließung des Standortes betriebswirtschaftlich nicht zwingend erforderlich ist, sondern nur die finanziellen Eigeninteressen des Kapitalmarkts und des Vorstands bedient. Arbeitnehmer und Betriebsrat wehren sich daher mit Unterstützung von ver.di dagegen, dass sie allein die Zeche für den überteuerten Preis für den Kauf der Wettbewerber zahlen sollen. 

    Der Vorstand setzt bei der Zusammenführung der drei Unternehmen Tele Columbus, primacom und pepcom stets auf die für die Arbeitnehmer ungünstigste Variante und weigert sich beharrlich, Gegenvorschläge der Betriebsräte auch nur ansatzweise aufzugreifen. Dies gilt für Ausmaß und Tempo des Arbeitsplatzabbaus und für die künftige Aufstellung des Unternehmens. Mit der geplanten Überführung der verbleibenden Mitarbeiter in vier selbständige Servicegesellschaften flüchtet die Tele Columbus AG bewusst aus ihrem Haustarifvertrag und umgeht die Verpflichtung zur Entsendung von Arbeitnehmern in den Aufsichtsrat. Zudem wird ein Weiterverkauf des gesamten Unternehmens oder der einzelnen Servicegesellschaften erleichtert und möglicherweise schon vorbereitet. Bereits im Februar 2016 hatte United Internet, auch Hauptinvestor bei 1&1 ist, 25,1 Prozent der Tele Columbus Aktien übernommen und wurde somit zum größten Aktionär. 

    Der Vorstand werde auch bei den beginnenden Sozialplanverhandlungen seiner sozialen Verantwortung gegenüber den Arbeitnehmern in keiner Weise gerecht. Obwohl es dem Unternehmen laut eigener Pressemitteilung vom März 2016 finanziell gut geht und ab 2018 mit jährlichen Synergieeffekten von 40 Millionen Euro gerechnet wird, versuche der Vorstand, beim Sozialplan eine Billiglösung durchzusetzen.  

    Aber nicht nur für die Arbeitnehmer haben die vom Vorstand geplanten Maßnahmen direkte Auswirkungen. Auch die Kunden der Tele Columbus in den Hauptverbreitungsgebieten Berlin und Brandenburg werden Auswirkungen der Synergieeffekte hautnah spüren, denn der auch nicht durch Outsourrcing kompensierbare Verlust an – zum Teil in jahrzehntelang erworbenen – Know How in den kundenrelevanten Bereichen wird zu einer massiven Verschlechterung des Kundenservice und zu einer deutlichen Verlängerung der Bearbeitungszeiten von Kundenfragen führen.

    Tele Columbus Aktion in Hannover  April 2016 ver.di Tele Columbus Aktion in Hannover April 2016