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    ver.di hält an Kritik der Pflegekammer fest

    ver.di hält an Kritik der Pflegekammer fest

    12.12.2016

    Anlässlich der heutigen Entscheidung des Niedersächsischen Landtags zur Einrichtung einer Pflegekammer machte die Gewerkschaft ver.di deutlich, dass sie an ihrer Kritik und Ablehnung festhält. Bereits zum Kabinettsbeschluss im Februar sowie im Anhörungsverfahren hatte ver.di gegen eine Zwangsmitgliedschaft mit Zwangsbeitrag sowie die Ausgrenzung der Pflegehilfsberufe scharfen Protest eingelegt. 

    Angesichts der Tatsache, dass die meisten Pflegekräfte eher zu den einkommensschwachen Berufsgruppen gehören, stelle die zusätzliche Zahlungsverpflichtung von gut 100 Euro pro Jahr eine unzumutbare Belastung dar, zumal auch die Kosten für verpflichtende Fortbildungen von den Pflegekräften selbst bezahlt werden müssen. „Da können schon mal mehrere hundert Euro im Jahr zusätzlich auf die Beschäftigten zukommen. Es ist nicht absehbar, dass sich die Arbeitgeber an den Kosten beteiligen werden“, sagt ver.di-Sekretärin Aysun Tutkunkardes. 

    Anders als bei den Kammern der freien Berufe, wie zum Beispiel Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte oder Notare, die selbständig und eigenverantwortlich arbeiten, sollen nun in Niedersachsen 70.000 Pflegekräfte per Gesetz Zwangsmitglieder in der Pflegekammer werden. Doch im Unterschied zu den Freiberuflern, sind die Pflegekräfte in Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Diensten abhängig beschäftigt und bei ihrer Arbeit an die Weisungen ihres Arbeitgebers gebunden.  

    Eine der Aufgaben der Pflegekammer soll die Fort- und Weiterbildung in den Pflegeberufen sein, „dies ist unbestritten ein wichtiger Punkt, der jedoch keine Kammer rechtfertigt“, so ver.di Landesbezirksleiter Detlef Ahting. Eine gesetzliche Personalbemessung, faire Arbeitsbedingungen und höhere Vergütungen in der Pflege wären notwendig, um den Beruf attraktiver zu machen und die Pflegequalität zu verbessern. „Diese Themen kann die Pflegekammer nicht bewegen und bleibt deshalb ein zahnloser Tiger“, so Ahting. 

    Rückfragen an:
    Aysun Tutkunkardes, ver.di-Sekretärin
    mobil: 0151 17161925