Nachrichten

    Asklepios-Beschäftigten intensivieren den Streik

    Asklepios Seesen

    Asklepios-Beschäftigten intensivieren den Streik

    Tarifauseinandersetzung Asklepios Seesen
    Erfolgreicher Streik in den Asklepios-Kliniken Seesen ver.di Asklepios-Beschäftigten intensivieren den Streik

    Erfolgreicher Start in die Streikwochen – Arbeitskampf in völlig neuen Dimensionen – Kapazitäten des Krankenhauses radikal reduziert

    Im Tarifkonflikt mit der Asklepios Schildautalklinik in Seesen haben heute in Seesen rund 200 Beschäftigte ihre Arbeit niedergelegt. Die Beschäftigten starteten damit erfolgreich in die nächsten Streikwochen.

    ver.di-Verhandlungsführer Jens Havemann: „Weil Asklepios seinen Beschäftigten Tarifverhandlungen verweigert, sehen wir uns gezwungen, den Streik ab heute in völlig neuen Dimensionen fortzuführen. Es geht um die Zukunft der Klinik, deswegen legen die Beschäftigten heute die Arbeit nieder. Nur mit deutlich besseren Arbeitsbedingungen lässt sich gutes Personal halten und gewinnen. Diese Verweigert aber Asklepios.

    Deshalb haben wir diesen Streik langfristig angekündigt und Asklepios vor fünf Wochen darüber informiert, dass das Personal für den Notdienst erheblich gekürzt wird. Asklepios musste die Belegung anpassen, neue Patient*innen konnten nicht mehr aufgenommen werden. Das kostet richtig Geld und wird Asklepios da weh tun, wo es einen profitorientierten Konzern am meisten trifft – im Portemonnaie.“

    Martin Kupferschmidt, Krankenpfleger und Mitglied der ver.di Streikleitung ist beeindruckt: „Unglaublich, wie wir zusammenstehen, wie wir den Druck, den Asklepios ausübt, gemeinsam auffangen und zurückgeben. Ab heute intensivieren wir den Streik.

    Und mit jedem Tag wird Asklepios mehr unter Druck geraten. Mittlerweile schüttelt ja selbst der Bundesgesundheitsminister den Kopf über das Verhalten von Asklepios.“

    Bundesgesundheitsminister Spahn hatte vergangene Woche auf einer ver.di-Kundgebung am Rande der Gesundheitsministerkonferenz in Berlin sein Missfallen darüber ausgedrückt, wie Asklepios mit seinen Beschäftigten umgeht.

    Asklepios hat die Belegung erheblich reduziert, dennoch gibt es Anzeichen, dass der Konzern die Patientenversorgung nicht ausreichend sichert.

    ver.di-Fachsekretär Patrick von Brandt: „Seit Ende vergangener Woche haben wir ernstzunehmende Hinweise, dass das Krankenhausmanagement immer noch versucht, die Bettenbelegung relativ hoch zu belassen.

    So gab es aus der Therapie GmbH Donnerstag und Freitag die Anforderung, mehr Personal für den Notdienst zur Verfügung zu stellen. Dabei hatte das Management fast fünf Wochen Zeit, durch Aufnahmestopp die Bettenbelegung zu reduzieren.

    Wir haben bei besonders sensiblen Therapien befristet für die erste Streikwoche jetzt mehr Notdienstpersonal bereitgestellt, erwarten aber von der Konzernführung, dass sie durch einen Aufnahmestopp die Bettenbelegung weiter reduziert.“

    Investitionen in Personal notwendig, sonst wird die Klinik kaputtgespart

    Auf der Streikkundgebung forderten die Streikenden Asklepios auf, endlich den Irrweg zu verlassen und in das Personal zu investieren.

    „Wir sind hier, wir sind laut, weil Asklepios uns die Zukunft klaut“  skandierten sie.

    Seit Jahrzehnten war die renommierte Spezialklinik in Schildautal/Seesen für Schlaganfallpatienten überregional ein Leuchtturm und gleichzeitig Cashcow des Asklepios-Konzerns.

    Das hat sich 2017 komplett geändert. Seitdem bestimmt kurzfristige Sparpolitik des Konzerns die Personalpolitik. Das jetzige Vergütungsniveau in den Schildautalkliniken führt dazu, dass Asklepios massive Probleme hat, Personal für die Klinik zu gewinnen. Die Beschäftigten sorgen sich deshalb um die Zukunft ihrer Klinik. Die Arbeitsbedingungen müssen endlich konkurrenzfähig sein. Alles andere schadet den Patienten, den Beschäftigten und der Klinik.

    Tarifverträge bei Asklepios die Ausnahme, bei Wettbewerbern Standard

    Auch mit Blick auf die Krankenhauslandschaft ist das Vorgehen von Asklepios sehr ungewöhnlich. Havemann: „Mit allen relevanten Wettbewerbern gibt es quasi flächendeckend Tarifverträge. Sowohl bei Helios als auch bei Sana und Rhön sind Tarifverträge absoluter Standard.

    Bei Asklepios hingegen sind Tarifverträge schon die Ausnahme. Wer einen hat, kann sich glücklich schätzen, meist noch aus Zeiten der Privatisierung, weil wie in Goslar oder Göttingen der Staat beim Verkauf auf die Tarifbindung bestanden hat. Auch da hat Asklepios erheblichen Nachholbedarf.

    Kontakt