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    Pflegepersonalbedarfsbemessung

    Resolution

    Pflegepersonalbedarfsbemessung

    Resolution zur Bedarfsbemessung ver.di Resolution zur Bedarfsbemessung  – Ministerpräsident Stephan Weil (2.von rechts)nimmt die Resolution zur Bedarfsbemessung vom ver.di Landesbezirksleiter Detlef Ahting und den ver.di Kolleginnen Brigitte Horn, Regina Wagener und Elke Nobel (von rechts)entgegen.

     
    Die im März 2019 von der ver.di-Landesbezirkskonferenz Niedersachsen-Bremen beschlossene Resolution zur Pflegepersonalbedarfsbemessung wurde am 24. Mai 2019 an den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil übergeben.

    Sie fordert:

    »Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Weil, intervenieren Sie, wenn Sie es ernst meinen mit der Pflege! Machen Sie Ihren Einfluss gegenüber der Bundesregierung auf die jetzt getroffenen und vor der Umsetzung stehenden Entscheidungen im Bundesministerium für Gesundheit geltend, um eine (Weiter-)Entwicklung und verpflichtende Anwendung eines am Pflegebedarf ausgerichteten Personalbemessungstools für die Pflege in Krankenhäusern zu erreichen.«

    »Wir fordern Ihre Einflussnahme auf den Bundesgesetzgeber, damit bis 2020 ein an den individuellen Pflegebedarfen ausgerichtetes und pflegewissenschaftlich fundiertes Personalbemessungstool (weiter-) entwickelt und umgesetzt wird, um den sozial- und krankenhausrechtlichen Anspruch der Versicherten auf eine bedarfsgerechte Versorgung im Krankenhaus zu sichern.«

    »Wir sind der Überzeugung, dass ein am Patientenbedarf ausgerichtetes Pflegepersonalbemessungstool, eine PPR 2.0, weitreichende positive Wirkung entfalten wird.«

    »Wir fordern Sie eindringlich auf, sich für unsere Pflegekräfte einzusetzen. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, benötigen wir eine glaubhafte und fundierte Verbesserung der Rahmenbedingungen und keine Mogelpackungen.«

    Resolution an die Niedersächsische Landesregierung


    Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Weil,

    intervenieren Sie, wenn Sie es ernst meinen mit der Pflege!

    Machen Sie Ihren Einfluss gegenüber der Bundesregierung auf die jetzt getroffenen und vor der Umsetzung stehenden Entscheidungen im Bundesministerium für Gesundheit geltend, um eine (Weiter-)Entwicklung und verpflichtende Anwendung eines am Pflegebedarf ausgerichteten Personalbemessungstools für die Pflege in Krankenhäusern zu erreichen.

    Mit dem §§ 137i und 137j SGB V wurde von Seiten der Bundesregierung der Pflegenotstand in den Krankenhäusern mit dem Pflegepersonalstärkungsgesetz (PpSG) aufgegriffen. Allerdings bleiben die Ansätze hinter dem, was im Interesse von Patienten und Pflegekräften erforderlich ist, deutlich zurück, weil sie es nicht ermöglichen, den tatsächlichen Pflegebedarf zu berücksichtigen. Die jetzt verordneten Personaluntergrenzen gefährden weiterhin die Patientensicherheit.

    Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung sind Untergrenzen für alle bettenführenden Abteilungen angekündigt. Mit Wirkung zum 01.01.2019 hat der Bundestag die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung (PpUGV) für 4 Bereiche zur Vermeidung unerwünschter Ereignisse, beschlossen. Eine Mindestanzahl von Pflegepersonal im Durchschnitt vorhalten zu sollen, um unerwünschte Ereignisse zu vermeiden, ist wahrlich nicht gleichbedeutend mit der notwendigen Erfüllung des Pflegebedarfs eines Patienten.

    Ab 2020 sollen Pflegepersonaluntergrenzen, die das gesamte Krankenhaus erfassen, durch Ermittlung eines Personalquotienten eingeführt werden. Mit dem Hinweis auf Pflegeaufwand wird der Eindruck vermittelt, der Pflegebedarf des Patienten würde gedeckt. Tatsächlich wird dieser weder erfasst noch berücksichtigt. Pflegepersonalquotient und Pflegepersonaluntergrenzen bemessen sich am völlig unzureichenden Ist-Zustand.

    Wir fordern Ihre Einflussnahme auf den Bundesgesetzgeber, damit bis 2020 ein an den individuellen Pflegebedarfen ausgerichtetes und pflegewissenschaftlich fundiertes Personalbemessungstool (weiter-)entwickelt und umgesetzt wird, um den sozial- und krankenhausrechtlichen Anspruch der Versicherten auf eine bedarfsgerechte Versorgung im Krankenhaus zu sichern.

    Wir sind der Überzeugung, dass ein am Patientenbedarf ausgerichtetes Pflegepersonalbemessungstool, eine PPR 2.0, weitreichende positive Wirkung entfalten wird.

    • Um das Ziel der Patientensicherheit zu gewährleisten, müssen systematische Unterschiede im Pflegebedarf (z.B. Maximalversorger vs. Spezialklinik für elektive Behandlungen) und der patientenindividuelle Pflegebedarf berücksichtigt werden.
    • Die Deckung des patientenindividuellen Pflegebedarfs ist der Grundsatz der Krankenversorgung nach dem Sozialgesetzbuch und ethisch geboten. Der Gesetzgeber spricht von dem sog. Pflegeaufwand. Bei der Personalausstattung mittels eines Pflegepersonalquotienten, handelt es sich nicht um den tatsächlichen Pflegebedarf, sondern um die durchschnittlichen Pflegekosten der Kalkulationshäuser für Patienten mit der gleichen DRG. Damit nicht die unzureichende Ist-Personalausstattung die Sollwerte für die Zukunft bestimmen, müssen diese sachgerecht erhoben werden. Nur auf solch einer Grundlage ist eine transparente und sachgerechte Annäherung der Ist-Situation an den Soll-Zustand möglich und nachhaltig.

    • Notwendige Pflege am Bett muss von den Kostenträgern voll finanziert werden. Die hierzu vorgesehenen Verhandlungen zwischen Krankenhäusern und Krankenkassen, zur Festlegung von Pflegebudgets, benötigen eine tragfähige Datengrundlage, die logisch und praktisch aus den Ergebnissen einer flächendeckenden Personalbemessung gewonnen werden kann. Ohne sie besteht die Gefahr, dass ökonomische Überlegungen die Verhandlungsergebnisse dominieren.
    • Transparenz und Qualität soll gegenüber Patienten, Einweisern und Bevölkerung gefördert werden. Der sogenannte Pflegepersonalquotient soll zur Information der Patienten, Einweiser und Bevölkerung veröffentlicht werden. Wegen der hochkomplexen Berechnung im Zusammenhang mit dem Pflegeaufwand und des Verzerrungspotentials ist es ausgeschlossen, dass Patienten diese Angabe korrekt interpretieren können. Eine Angabe des einfachen Verhältnisses von Personalbestand zu Personalbedarf auf Basis einer fundierten Personalbemessung ist unmittelbar verständlicher und handlungsleitend bei der Krankenhauswahl. Hier stehen Sie gegenüber der Bevölkerung in Niedersachsen in der Pflicht.
    • Die aufwandsarme Erhebung und Veröffentlichung der Ergebnisse einer Personalbemessung auf Einrichtungs- und Fachabteilungsebene dient ebenso der Versorgungsforschung und den politischen Steuerungsmöglichkeiten.

    Wir fordern Sie eindringlich auf, sich für unsere Pflegekräfte einzusetzen. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, benötigen wir eine glaubhafte und fundierte Verbesserung der Rahmenbedingungen und keine Mogelpackungen.

    Landesbezirkskonferenz Niedersachsen-Bremen, 22.-23. März 2019