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    Gegen die Angst, für das Leben

    Gegen die Angst, für das Leben

    Eifelturm Tricolore H.Gries Eiffelturm

    Erklärung des

    ver.di-Landesbezirksvorstands 

    Niedersachsen-Bremen

    21.11.2015

     

    Zu den Pariser Terrorattacken des Islamischen Staates fehlen Vielen oft die Worte: Erschütterung, Trauer und Betroffenheit, Solidarität mit den Opfern, Angst vor neuen Anschlägen, Befürchtungen und Wut vermischen sich.

    Wir als aktive Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter bekunden den Opfern der Pariser Anschläge, aber auch den Opfern aller anderen Angriffe des islamistischen Terrors unsere volle Solidarität. Wir trauern mit ihren Angehörigen und Freunden.

    Für uns ist selbstverständlich, dass die Attentäter, die Strategen im Hintergrund, ihre Netzwerke verfolgt, aufgespürt und verurteilt werden müssen. Genauso notwendig erscheint uns ein deutlich intensiveres und nachhaltigeres Vorgehen gegen gewalttätige Islamisten, sowohl in Europa und Deutschland wie auch weltweit.

    Zugleich bewegen uns auch große Befürchtungen:

    Wir haben Angst davor, dass sich die allgemeine Trauer in Wut verwandelt und diese Wut gegen die Menschen gerichtet wird, die überall auf der Welt vor Krieg und Terror fliehen.

    Wir befürchten, dass diese schrecklichen Taten genutzt werden, um in Deutschland und Europa rassistische Stimmungsmache zu betreiben und gegen Geflüchtete zu hetzen.

    Wir wehren uns gegen eine Stimmung, die eine weitere Verschärfung der Repressionen gegen Geflüchtete zulässt und in der den rassistischen Übergriffen, die hier nahezu täglich geschehen, noch weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird.

    Wir wollen nicht, dass Freiheitsrechte jetzt noch weiter eingeschränkt werden und durch eine Verschärfung der Gesetze und der Überwachungsmaßnahmen der Kampf für ein menschenwürdiges Leben für alle noch schwieriger wird. 

    Wir haben Angst davor, dass breite Teile der Gesellschaft so eingeschüchtert werden, dass ihr Leben von überzogenen Sicherheitsvorkehrungen und nicht mehr von dem Kampf für eine bessere Gesellschaft und einem Leben in Freiheit bestimmt wird.

    Wir warnen vor einem leichtfertigen Reden vom „Krieg“, mit dem die Bereitschaft zu neuen Eingriffen in Bürgerrechte und in die demokratische Kultur gerechtfertigt wird.

    Nach diesen schrecklichen Taten werden wir uns erst recht überall in unserer gewerkschaftlichen Arbeit - in den Betrieben und Verwaltungen, in Schulen, Universitäten und auf der Straße - klar gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung stellen!

    Wir werden weiter aktiv werden, wenn Rassistinnen wie Pegida, Bragida, AfD und Co auflaufen und versuchen, die Verbrechen des sog. Islamischen Staates für ihre Zwecke zu missbrauchen.

    Wir werden auch in Zukunft vor überbordender Überwachung warnen, vor einem unkontrollierten Treiben von Geheim- und Sicherheitsdiensten und vor Populisten, die die Freiheit zu Lasten einer vermeintlichen Sicherheit beschränken wollen.

    Wie werden weiterhin – und jetzt erst recht – Konzerte und Großver-anstaltungen besuchen, wir werden zu Fußballspielen und anderen Sportereignissen gehen. Wir werden Musik hören und Cafés besuchen. Wir werden auch in Zukunft Spaß am Leben haben, an Filmen und Musik, an der Liebe und am Humor, an Emanzipation und Freiheit und allen anderen Dingen, die den islamistischen Terroristen von Paris, Bamako, in Syrien und Libyen und anderswo ein Dorn im Auge sind.

    Unser Ziel ist es, mit den von Terror und Krieg Betroffenen gemeinsam für eine solidarische Welt und gegen die Ursachen von Flucht und Gewalt zu kämpfen. Individuellen Terror bekämpfen wir nicht mit Hetze und nicht mit einer weiteren Verschärfung der Gesetze oder Ausgrenzung und Abschottung. Wir wollen uns stattdessen zusammenschließen und für eine solidarische und freie Gesellschaft ohne Krieg und Armut kämpfen.

    Wir werden uns gegen die Angst entscheiden. Gemeinsam. Mutig. Für eine freie, gerechte und solidarische Welt.

     

    V.i.S.d.P. Detlef Ahting, ver.di-Landesbezirksleiter Niedersachsen-Bremen, Goseriede 10, 30159 Hannover