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    Medienkonzern Madsack ist auch bei der HAZ auf Tarifflucht

    Medienkonzern Madsack ist auch bei der HAZ auf Tarifflucht

    Hannoversche Allgemeine Zeitung Moritz Richter Anzeigerhochhaus Madsack Hannover

    Madsack ist auch bei der hannoverschen HAZ auf Tarifflucht

    „Das ist der Abschied aus der Tarifbindung“: dju und DJV kritisieren Madsack Mediengruppe

    Redakteurinnen und Redakteure der  „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ werden künftig nur noch in der tariflosen Gesellschaft der Heimatzeitungen angestellt. Am Mittwoch sind die Redaktionen von HAZ und Heimatzeitungen darüber informiert worden, dass sie künftig in einem Gemeinschaftsbetrieb zusammenarbeiten werden und Neuanstellungen nur noch über die tariflose Gesellschaft erfolgen sollen.

    „Das ist der Anfang vom endgültigen Abschied Madsacks aus der Tarifbindung“, kritisieren der DJV-Landesvorsitzende Frank Rieger und die dju-Landessprecherin Annette Rose. „Der Vorsitzende der Madsack-Konzerngeschäftsführung, Thomas Düffert, wird nicht müde, den Lokaljournalismus zur Königsdisziplin zu erklären. Eine königliche Bezahlung würde wohl kein Lokalredakteur verlangen, eine faire aber schon.“ Düffert sei auch Vize-Präsident des Bundes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), der mit den Gewerkschaften die Tarife abschließe. Madsack aber suche den Weg, den Tarif zu umgehen. Guten Nachwuchs werde der Verlag so nicht finden.

    In Hannover wird jetzt ein Schritt vollzogen, der schon in Rostock, Lübeck und Südniedersachsen zu Zwei-Klassen-Gesellschaften in den Redaktionen geführt hat. Redakteure mit guten tarifgebundenen Altverträgen und Jungredakteure, die bis zu 20 Prozent weniger verdienen, arbeiten dort zusammen. „Dass Madsack diesen Schritt ausgerechnet im 125. Jubiläumsjahr, das unter dem Motto ,Herzschlag unserer Heimat’ steht, vollzieht, kann nur zynisch genannt werden“, sagt Rieger. Besonders pikant sei die Entscheidung vor dem Hintergrund, dass die SPD-eigene Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft 23 Prozent an Madsack hält. SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil hatte zuletzt immer wieder eine stärkere Tarifbindung deutscher Unternehmen gefordert.

    Die Mitteilung kam am 26. September für die HAZ-Redakteure überraschend. Chefredakteur Hendrik Brandt hatte sie vormittags zu einer Themen-Konferenz, einem sogenannten Herbstupdate, bei einer Tasse Kaffee eingeladen. Der Knaller kam am Schluss. Da eröffnete er den Kolleg_innen, dass künftig HAZ und Heimatzeitungen ein Betrieb seien. Das vereinfacht das Abordnen von Redakteuren in die Außenredaktionen der Heimat, wie es in der Vergangenheit schon geschehen ist. Da die Heimatzeitungen tariflos sind, werde man Neueinstellungen nur noch über die Gesellschaft der Heimatzeitungen vornehmen.

    Der Betriebsrat der Heimatzeitungen soll kurz zuvor den Hinweis bekommen haben, sich nun aufzulösen, da künftig der HAZ-Betriebsrat zuständig sei.

    Dju und DJV werden das Vorgehen der Madsack Geschäftsführung beobachten und gemeinsam das weitere Vorgehen beraten und planen. 

     

     Annette Rose, dju-Landessprecherin Niedersachsen-Bremen

    annette.rose@dju-nds-hb.de   Mobil: 0170-3438237

     Peter Dinkloh, Landesmediensekretär, ver.di Landesbezirk Niedersachen-Bremen, Fachbereich 8,

    peter.dinkloh@verdi.de          Tel. 0511 / 124002 95