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    Zurück auf den inklusiven Weg!

    Menschen mit Behinderung

    Zurück auf den inklusiven Weg!

    Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung
    Zurück auf den inklusiven Weg! ver.di Zurück auf den inklusiven Weg!  – Matthias Hoffmann, ver.di Landesbezirk Niedersachsen-Bremen


    Seit 1993 findet der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung statt. An diesem Tag sollen Öffentlichkeit und Politik auf die Situation der Betroffenen aufmerksam gemacht werden. Und das ist 2020 auch nötiger denn je.

    In den Monaten vor der Corona-Pandemie war Niedersachsen auf einem guten inklusiven Weg. Heute scheint es, als sei das Rad der Inklusion in den letzten Monaten um Jahrzehnte zurückgedreht worden.  Das Thema findet sich derzeit lediglich hinter verschlossenen Türen wieder, aus dem öffentlichen Leben scheint es verschwunden. Inklusive Strukturen und Bemühungen finden in aktuellen Verordnungen keine Erwähnung. Menschen mit Behinderungen finden sich nur unter dem aufgedrückten Stempel der Risikogruppe wieder, ihre Sorgen sind nur Hygienethema in der Politik.

    Dabei sind sie viele: Fast 800.000 Menschen in Niedersachsen haben eine Schwerbehinderung mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50, im Land Bremen leben über 58.000 Menschen mit Schwerbehinderung.

    Millionen Menschen mit Behinderung sind in Deutschland von Armut bedroht, Hunderttausende sind arbeitslos - und die Corona-Pandemie hat das Problem verschärft. Schon ohne die Pandemie finden Menschen mit Behinderung seltener einen Job, in den meisten Fällen dann auch mit schlechterem Einkommen, befristeten Verträgen, Teilzeit und mit negativeren Perspektiven. Wir wissen: Corona verschärft insgesamt die Situation für Menschen mit Handicap, Benachteiligungen oder Armut, viele fühlen sich abgehängt und vergessen.

    Gleichzeitig sorgt Corona dafür, dass Einrichtungen schließen oder Besuche verboten werden. Viele Bewohner*innen bleiben alleine und vereinsamen. Hier müssen Besuchsmöglichkeiten geschaffen werden, die Gesundheitsschutz sicherstellen.

    Am internationalen Tag der Menschen mit Behinderung rufen wir ihnen zu: wir vergessen Euch nicht!

    Wir fordern von der Politik:

    Erhöhung der Ausgleichsabgabe für Unternehmen hin, die keinen Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung beschäftigen. Unternehmen müssen mindestens ihre gesetzliche Beschäftigungsquote von fünf Prozent für Menschen mit Behinderung erfüllen. Bundesweit liegt die Quote im Schnitt bei 4,6 Prozent, in der Privatwirtschaft nur bei 4,1 Prozent

    Wirksame Maßnahmen gegen die Benachteiligung von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt - Arbeitslosigkeit ist der Hauptgrund für Armut.

    MATTHIAS HOFFMANN
    Zuständiger Gewerkschaftssekretär für die ver.di Personengruppen